Seniorennachmittag 2019

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Es ist immer schön mitzuerleben, wie die Dorfgemeinschaft lebt – nicht zuletzt auch durch die Veranstaltungen der Seniorennachmittage, die jeder Verein im Dorf einmal im Jahr durchführt. 

In diesem Monat war unsere kleine Naturschutzgruppe gern in der Pflicht, den Seniorennachmittag auszurichten.

31 Teilnehmer hatten sich eingefunden zu Kaffee und Kuchen, zu Zwiebelkuchen, Schnittchen und neuem Wein, zu Plausch und Austausch wichtiger Dorfinfos.

w00.Sen2019

Dabei blieb es nicht, denn an diesen Nachmittagen werden auch Auge und Ohr in Dienst für umfassendere, die dörfliche Umgebung betreffende Informationen gestellt.

Da nicht sicher war, dass jeder der Anwesenden, den im letzten Jahr vom SWR in der Landesschau ausgestrahlten Film über den „Schwalbenkönig“ Ulrich Heinze gesehen hat, wurde er an den Anfang gestellt – ein kleines gutes Stück Film über das Jahrzehnte andauernde Engagement der Familie Heinze für die Mehlschwalben.

Ulrich Heinze ergänzte den Film durch Informationen über die diesjährige Rauchschwalbenbrut, deren Umfang zu vorsichtigem Optimismus Anlass gibt.

Mit seiner lebenslang geschulten Beobachtungsgabe hat er in diesem Jahr ein Rauchschwalbenpaar entdeckt, welches sich in einem Gebäudeteil des Hofes ein Nest gerichtet hatte. Eine Rauchschwalbe! – wann haben wir die denn zum letzten Mal gesehen. Sicher ist nicht, ob die 6köpfige Brut überlebt hat.

Dann folgte im Programm ein Überblick über die Aktivitäten, die die Senioren mit unserem kleinen Naturschutzverein durchführten – u.a. die Einweihung des Seniorenbaumes auf dem Friedhof.

06.Runde

Die Information über die kleine Feier für Ulrich Heinze als 90jährigem Mann des Jahres und die Übergabe einer Flatterulme als Baum des Jahres an ihn schloss sich an.

w04.Flatter

Immer wieder macht unsere kleine Naturschutzgruppe aufmerksam auf das Kreuchen und Fleuchen in der Natur entlang des mit viel Steuergeld renaturierten Landgrabens, einer Oase in der umliegenden Agrarsteppe.

So konnten wir anschaulich berichten über unsere vogelkundlichen Wanderungen u.a. mit dem Erlebnis des Nachtigallenreichtums in unmittelbarer Nähe des Ortes.

Wie vielfältig die dichter werdende Natur sich entlang des Landgrabens – wenn nicht willkürlich in sie eingegriffen wird – entwickelt hat, konnten die Senioren unserem Bericht über den letztjährigen „Geotag der Artenvielfalt“ entnehmen.

Auf einem Stück  in der Länge von 100 m in beiden Richtungen wurden in 4 Stunden intensiver Untersuchung entdeckt:

  • 56 Pflanzenarten
  • 20 Schmetterlingsarten
  • 4 Libellenarten
  • 7 Käferarten
  • 6 Arten im Wasser ( z.B. Skorpione, Egel)
  • 12 Vogelarten

Zum Schluss wurde eine besonders geschützte Art vorgestellt , die sich spontan am Landgraben angesiedelt hat – die Pyramidenorchidee.

w03.Orchidee

Nach ihrer Entdeckung stand sie leider nur zwei Tage. Irgendjemand muss sie gepflückt oder gar ausgegraben haben.

Uns bleibt die Hoffnung, dass sie sich im nächsten Jahr doch wieder zeigt.

Das wäre ein guter Einstieg in den Seniorennachmittag 2020.

Konfirmanden erkunden Gottes freie Natur

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Wie bereits in letzten Jahr machten sich die diesjährigen Konfirmanden auf, um – begrüßt von Christiane Stiehl-Haas – am Landgraben ernsthafte Naturerkundungen auf spielerische Weise zu betreiben.

01.-Empfang_Konfis

Das geht nur, wenn Geist und Körper zu einer Einheit finden – und das auf möglichst effektive Weise.

Diesem Ziel dient das Wahrheitsspiel, bei dem sich zwei Gruppen FALSCH und RICHTIG in der Mitte mit dem Rücken zu ihrer jeweiligen 20 m entfernten Heimatlinie gegenüberstanden. 

Der Körper muss mit dem Geist gleichzeitig in Aktion treten, um nicht gefangen zu werden, wenn die Antwort auf eine der vielen Fragen aus den Gebieten von Flora und Fauna WAHR bzw. FALSCH ist.

  • Ein Kaninchen hat größere Ohren als ein Hase.
  • Der Baum ist ein Luftfilter.
  • Eine Ameise kann das Vielfache ihres eigenen Gewichts tragen….

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Dieser energiezehrenden Phase folgte eine des komplentativen aktiven Lauschens – eine Fähigkeit, die besonders Fledermäusen von großen Nutzen ist. Sie orten mit der Reflexion des Ultraschalls ihre Beute, was uns Menschen versagt bleibt. Trotzdem können wir mit verbundenen Augen Piepslaute aus verschiedenen Richtungen versuchen zu identifizieren.

03.Fledermaus_Hoeren

Die technischen Ressourcen der Konfirmanden wurden genutzt zur Identifikation von Pflanzen wie wilder Möhre, Ackerwinde, Kardendistel etc..

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Eine weitere Übung bestand im Entdecken von Veränderungen, die in einem vorher erkundeten abgegrenzten Areal inzwischen platziert worden waren.

05a.-Lageveraenderung

Beim freien Umherschweifen in diesem Gebiet des Landgrabens galt es dann, Insekten, Spinnen, Käfer etc. zu finden, um sie in Becherlupen zu identifizieren.

07a.Becherlupen

Nur ein Tier, das Faultier, das 16 Stunden schläft, sich langsamst bewegt und nur alle drei Tage zum Verdauen seinen Baum verlässt, spart Energie auf ganz besondere Weise.

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Zweifinger-Faultier.  Gemeinfrei: Urheber: Dave Pape

Wieviel Energie es uns Menschen kostet, sich mit einfühlender Aufmerksamkeit rücksichtsvoll auf engem Raum zu bewegen, konnten die Konfirmanden auf den alten Pappelstämmen erproben. 

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Das gelang ihnen ausgezeichnet; kam jemand musste sich in die Tiefe bewegen.

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Warum in die Ferne schweifen ….

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… wenn vor unseren Toren in Asselheim beim Weingut Matthias Gaul ein Stück Provence blüht und brummt.

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Einem Vorschlag aus der Mitgliederversammlung im März folgend, nahmen Mitglieder unserer kleinen Naturschutzgruppe zusammen mit dem NABU-Leiningerland – zusammen etwa 30 Teilnehmer – an einer Erkundung des Gaul`schen Lavendelfeldes in Asselheim teil.

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Dr. Turznik führte ein in die Anlage des Lavendelfeldes mit zwei verschiedenen Sorten. Lavandin, ein großwüchsiger Hybridlavendel, in Frankreich zumeist angebaut, bringt hohe Erträge, duftet strenger. Der „echte“ Lavendel, lavandula angustifolia, bringt noch bessere Erträge, braucht aber länger bis zur Ernte.

Die Ernte wird nach Südfrankreich gebracht und durch Destillation zu Lavendelöl verarbeitet.

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Das Wetter war nicht so günstig, so dass die bei Sonne sehr zahlreichen Falter es vorzogen, nur ihre wetterfestesten Gesellen ins Lavendelfeld zu schicken.

Den Teilnehmern bot sich in den Lavendelreihen ein vielfältiges Bild intensiven Lebens, bei dessen Bestimmung Dr. Turznik und auch andere Kenner interessante und wertvolle Hinweise gaben.

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Den lautesten Anteil am Lavendelleben nahmen mit ihrem durchtönenen Gesumme die Hummeln ein, deren Arten genaues Hinweisen und -schauen erforderte. 

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Unsere Gegenwart schützte sie vor den gelegentlich anreisenden und lauernden Bienenfressern. (Guter Link dazu NABU/Frankenthal)

w04a.Bienenschnaepper

Die Nachkommen der Hummeln sind jedenfalls gut getarnt in den Tiefen des Lavendel versteckt.

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K. Scharbach

Falter in weiß und gelb und braun machten sich wegen der fehlenden Sonne rar.

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Seitdem die Gottesanbeterin Insekt des Jahres 2017 wurde, zeigt sie sich stolz in einheimischen Wärmeinseln. Ob diese Fangschrecke genüßlich beim Paaren ihren Partner verspeist, konnte während unserer Erkundung nicht nachgewiesen werden.

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Auch die Genossen von der hüpfenden Zunft tummelten sich vereinzelt im Lavendel.

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In so einem dichten Biotop finden sich natürlich auch die Mitglieder des fressenden Gewerbes ein – die Spinnen.

w08.Spinnen

Dass diese Spezies nicht von der ungefährlichen Sorte ist, kann man hier recht gut erkennen.

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Chr. Stiehl-Haas

Lavendel, die Pflanze der Provence! Da lässt sich gut spekulieren: Provence, das zur Römerzeit Provincia Narbonensis hieß und durch die schon Hannibal – so 200 vor – trampelte und die Caesar – so 60 vor – dem Reich einverleibte.

Und nun hat´s dieser – wohl wegen des Klimawandels – unverwüstliche Lavendel auch dorthin geschafft, wo Augustus – so um 9 nach – drei Legionen des Varus durch Arminius, dem Hermann der Cherusker, an den nördlichen Hängen des Teutoburger Waldes verlor …

w11.Hermann

… und jammerte: „Varus, Varus, wo sind meine Legionen“ – dort in der Gegend bei Detmold wird nun die Pflanze angebaut, deren Essenzen so begehrt sind. (Siehe hier!)

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Da haben wir`s näher. Ein Blick von der südlichen Mauer des Friedhofs von Asselheim bringt uns schon eine Ahnung davon, wie sich Schönheiten der Pfalz mit denen der Provence vermischen.

w13.Schluss

Schachbrettfalter in Obersülzen – der Schmetterling des Jahres 2019

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Wer in den Monaten Juni und Juli  am  Morgen oder in der Abenddämmerung am Landgraben spazieren geht, kann diesen Tagfalter aus der Familie der Edelfalter erleben: – das Schachbrett (Melanargia galathea). Von Blüte zu Blüte flattert er, um Nektar zu tanken, am liebsten auf violetten Blüten, auf Flockenblumen,  Skabiosen,  Kratzdisteln u.a. 

Wer  ihn fotografieren will, muss  warten, bis er sich zufällig auf einer Blüte niederlässt.

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Beim Geotag der Artenvielfalt  in Obersülzen hat G. Turznik nach Vorbereitung  dieses Foto geschossen. 

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Nur im  Juni und Juli ist die Flugzeit dieses Augenfalters. Er tanzt nur einen Sommer könnte man sagen. Denn die längste Zeit seines Lebens als Falter (Imago) verbringt er verborgen,  als Raupe oder als Puppe.  

Der Schmetterling ist in Deutschland noch vergleichsweise häufig. Doch seine Lebensräume – nährstoffarme, blütenreiche Wiesenbereiche, die nicht vor Ende Juli gemäht werden –  sind  durch die intensive Landwirtschaft bedroht. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd, sind solche Wiesen in Deutschland leider immer seltener geworden.

Durch die  Renaturierung des Landgrabens 2008  haben sich in Obersülzen Wiesenstandorte entwickelt,  wo genügend Blüten und Gräser vorhanden sind. Sie werden abschnittsweise, aber nicht vor Ende Juli gemäht und sind  eine gute Voraussetzung für den Fortbestand der Falter. Die Weibchen lassen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, wo sie sich an Gräsern zu Larven, Raupen und Puppen entwickeln können, um im Mai des folgenden Jahres wieder als Falter schlüpfen zu können. 

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„Zarte Schönheit in schwarz-weiß“ nennt der Nabu den Schmetterling des Jahres 2019. Der Artname galathea erinnert an die schöne Nymphe, die vom einäugigen Riesen Polyphem begehrt wurde. Und die Schönheit der Galathée  in der Operette von Franz von Suppé ist so überwältigend, dass Pygmalion sie vor den Augen der anderen  verbergen muss. 

In Obersülzen hatten sich gar 5 solcher Schönheiten auf einer einzigen Distel versammelt.

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Die Aufnahme entstand am 21.6.2009 um 9.25  Uhr auf einem brachliegenden Acker. Heute verläuft dort die Stumpfwaldstraße. Eine  schöne Galathée wird man jetzt hier vergeblich suchen….

Wenn jedoch die Eh-da-Flächen  erst  Ende Juli oder auch versetzt gemäht würden, hätten Schachbrettfalter auch in Zeiten von Intensivlandwirtschaft eine Chance zur Vermehrung.  Wie es nicht sein sollte, demonstrieren  alljährlich die Verbandsgemeindewerke durch die frühe Totalmahd beim südlichen Regenrückhaltebecken.

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Text: Bernd Haas

Im Juni den Schwirrflug der Libellen bewundern

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Wer im Juni am Landgraben entlang geht, ist überrascht von der Vielzahl von Libellen, die in Bachnähe aber auch im Wiesengelände umher schwirren. 

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Ihr schwirrender Flug ist für das Auge kaum wahrnehmbar. Die Flugkünste von Libellen sind atemberaubend. Sie können extrem schnell beschleunigen, aus vollem Flug abbremsen und plötzlich die Richtung ändern. Ihre Flugkünste ähneln mehr einem Hubschrauber als einem Flugzeug. Sie zu fotografieren ist  extrem schwierig. Wer es versuchen will, ist darauf angewiesen, den Moment abzupassen, wenn sich die Libelle einmal nieder lässt. Friedel Sauer ist das im letzten Jahr bei einer  gebänderten Prachtlibelle (Calopterix splendens) gelungen:

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Die Gebänderte Prachtlibelle ist die häufigste Art, die am Landgraben vorkommt. Sie benötigt zur Vermehrung Unterwasservegetation, die auch aus dem Wasser herausragt. Dass deshalb  z.B. am Sausenheimer Graben vor der Unterquerung der Hauptstraße keine Libellenfauna möglich ist, versteht sich daher von selbst. Allzu gründliche Reinigungen der Gewässer (Ausbaggern!) verhindern das Aufkommen von Libellen. 

Von den etwa 85 Libellenarten, die in Deutschland vorkommen, konnten wir am Landgraben 2018 außer der Gebänderten Prachtlibelle noch 3 weitere Arten feststellen  (BLOG 24.6.2018: Geotag der Artenvielfalt in Obersülzen). Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) und der Südliche Blaupfeil  (Orthetrum brunneum) konnten damals von Teilnehmern fotografiert werden (siehe BLOG). Außerdem bestimmten die Teilnehmer noch die  Große Königslibelle (Ana imperator):

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Quartl CC BY 3.0 (Wikipedia)

Bei einer durch das Landesamt für Umwelt durchgeführten amtlichen Gewässergüteuntersuchung im Jahr 2012 wurde neben der Larve der Gebänderten Prachtlibelle auch eine Larve des Spitzenflecks  (Libellula fulva) gefunden.

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Christian Fischer CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)

Alle Libellenarten stehen unter Naturschutz.

Bei der letzten Untersuchung  (2017) war dies nicht mehr der Fall. Der Landgraben  verfehlt  immer noch, wie  alle anderen Bäche in der Vorderpfalz  die von der EU vorgegebenen Gewässergütekriterien. Hoffen wir, dass das beabsichtigte Gefahrgutreinigungslager in Grünstadt sich nicht auf die Wassergüte des Landgrabens auswirkt und der Landgraben eine Oase in der Folienwüste des Spargelanbaus bleibt.

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F. Sauer

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B. Haas

Text: B. Haas

 

Zum dritten Mal im Paradies

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Nach 2015  (BLOG 21.9.2015“Paradies ganz nah“) und 2017 (BLOG 14.5.2017 „Exkursion ins Paradies“) war am 25.5.2019 erneut eine kleine Gruppe unseres Vereins in Weinheim im Staudensichtungsgarten

Ein Besuch in diesem einzigartigen Garten lohnt sich jederzeit, zumal er für jedermann ganzjährig kostenlos zugänglich ist und dadurch die Möglichkeit besteht, die heimische und exotische Pflanzenwelt zu jeder Jahreszeit erleben zu können. 

200 Jahre ist es her, seit von Goethe der schöne Satz überliefert ist:  „Man erblickt nur, was man schon weiß oder versteht“.  Theodor Fontane, an dessen 200. Geburtstag wir 2019 erinnert werden, hat auch die Kurzfassung überliefert: „Man sieht nur, was man weiß“

Und wer wie wir mehr sehen will, vertraut sich gerne einer eigens für uns organisierten Führung an, die wie in den vergangenen Jahren Herr Luley vornahm. Dass dabei nicht alle 2500 Stauden des Gartens vorgestellt werden, versteht sich von selbst. Darum haben auch wir nur einige ausgewählt, die wir interessant fanden. 

Wer Blumen liebt,  kann  sich  an einem Garten erfreuen, der zu jeder Jahreszeit einen erfreulichen Anblick bietet. Wer bei dessen Anlage die natürlichen Bedürfnisse der ausgewählten Pflanzen an Licht, Boden und Wasser berücksichtigt  und entsprechend dicht pflanzt, erspart sich unnötige künstliche Bewässerung und verringert  das Aufkommen unerwünschter Pflanzen.  Manche Zeitgenossen tauschen ja  die Freude an reichem Blütenflor mit lebensfeindlichen Schottergärten („ Gärten des Grauens“)  und dem damit schließlich verbundenem mühsamen Reinigen von veralgtem und bemoosten Gestein. Denn wer auf versiegelten Flächen  Herbizide  ausbringt  macht sich strafbar.

Der Blumenhartriegel, ursprünglich in Nordamerika beheimatet und Staatsblume in den Staaten Missouri und Virginia.

Die heimische Nachtviole  als Wildpflanze seit Jahrhunderten kultiviert erfreut mit weißen oder violetten Blüten vor allem in den Abendstunden mit herrlichem Duft  nicht nur Menschen sondern auch viele Insekten.

Diptam  oder brennender Busch:  eine ausdauernde Pflanze  (Staude) die in der Landschaft unter Naturschutz steht  (am Asselheimer Hang kommt sie natürlich vor, wird  von Naturschutzgruppen jährlich frei geschnitten, weil der Schwarzdorn ihr das Leben schwer macht)  erfreut  bei richtigem Standort jeden Gärtner  und wird der Überlieferung nach mit dem brennenden Busch am Berg Horeb im 2. Buch Mose gleich gesetzt.

Ein Wolfsmilchgewächs im Topf – nicht winterhart, aber wunderschön anzusehen.

Zistrosen, aus dem Mittelmeerraum stammende  Sträucher, die  mit trockenem Klima gut zurecht kommen  und daher keine zusätzliche Bewässerung brauchen.

Nicht winterhart ist der Indigostrauch, aus dem im vergangenen Jahrhundert der  Farbstoff Anilin gewonnen wurde. Angeblich soll  an Montagen das Anilin verarbeitet worden sein, wodurch die Arbeiter mit blauen Kleidern nach Hause kamen, am blauen Montag …  so Herr Luley. Wer daran glaubt? 

Zu einem echten Garten gehört natürlich auch Wasser mit den dazugehörigen Pflanzen. Für uns Obersülzer interessant waren aber in erster Linie die quakenden Wasserfrösche (Grünfrösche),  die den Obersülzern zwar den Uznamen einbrachten, aber bisher in der freien Natur noch nicht (wieder) aufzufinden sind. 

Gelber Frauenschuh, heimische Orchidee, eine der prächtigsten Orchideen Europas, in allen Ländern unter strengem Naturschutz, nur an wenigen Standorten wild zu sehen..

Und weil an dem Blütenreichtum des Weinheimer Staudengartens sich Bienen  erfreuen, können Besucher auch deren Honig erwerben, der in der Imkerei geschleudert wird.

Bernd Haas

Bilder: B.Haas + Chr. Stiehl-Haas

Der Baum des Jahres dem Mann des Jahres

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Wer am heutigen Samstagmorgen entlang des neuen Rückstaubeckens am Landgraben ging, hat sich über diesen seltsamen Aufbau gewundert.

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Entlang der Kimme von Sektflaschen lag verschwommen im Ziel ein Baum, ein ganz besonderer Baum, der sich bei näherem Hinsehen als Flatterulme, Baum des Jahres 2019, präsentierte.

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Zu den Sektflaschen hatte sich eine stattliche Gruppe unserer kleinen Naturschutzgruppe eingefunden …

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… um mit dem Baum des Jahres unseren Mann des Jahres Ulrich Heinze zu ehren, der auch in seinem 90. Lebensjahr sich verantwortlich fühlt für das Gedeihen von Tier, Baum und Busch in Obersülzen.

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Christiane Stiehl-Haas übergab Ulrich Heinze im Namen von Bach und Baum e.V. die gepflanzte Ehrengabe mit Dankesworten für die jahrzehntelange, immense Arbeit an der Natur nicht nur in und um Obersülzen.

Bernd Haas machte deutlich, dass die Wahl der Flatterulme nicht zufällig erfolgte. Der Standort des Baumes am feuchten Rande des Landgraben sei ideal, weil die Flatterulme, in Auenlandschaften beheimatet, sehr gut Überschwemmungen bis zu 100 Tagen vertragen könne. Da sie in sauerstoffarmen nassen Böden keine Tiefwurzeln entwickeln könne, verfüge die Flatterulme über stabilisierende Brettwurzeln.

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Ortsbürgermeister Lehmann schloss sich mit Dankensworten an Ulrich Heinze für seinen Dienst an der Natur an.

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Ulrich Heinze bedankte sich für die Flatterulme, die zu seinen Ehren gepflanzt wurde – die ihn auch erinnern soll an seine lange Tätigkeit im Landesschutz und der Landespflege weit über Obersülzen hinaus, was zahlreiche inzwischen erwachsen gewordene Projekte bezeugen.

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Wir wünschen alle, dass der 20. Nistkasten eine für Ulrich Heinze nicht erreichbare Höhe erreicht. Denn das Besteigen von Leitern jenseits des 90. Lebensjahres hat nun mit Naturschutz gar nichts mehr zu tun.

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Bilder: Wünnenberg – / Brettwurzel: Guido Gerling-CC BY-SA 4.0

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