Warum Pandas Handstand machen – ein zoologisches Schmunzelkabinett

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Da die Zeit der Gabentischbeschickung nicht mehr allzu fern ist, möchte der Anregungsservice unserer kleinen Naturschutzgruppe die Aufmerksamkeit lenken auf ein kleines, im höchsten Maße amüsantes und des Nachdenkens wertes Buch lenken, das – fundiert mit einer im Anhang befindlichen umfangreichen Literaturauswahl – die ungeheure Vielfalt der tierischen Verhaltensweisen anspricht.

 Tiere sprechen mit ihrem Körper. In Panama gibt es Frösche, die – wie Blücher mit seinem Vorwärts-Degen – den anderen Fröschen mit Vorder- und Hinterbeinen die von ihnen gewünschte Richtung anzeigen.

Tiere singen, trauern, spielen, sind untreu, sind homosexuell, sind sozial, pädagogisch, reisen gern, freuen sich des Lebens – und einige von ihnen sind kaltblütige Massenmörder – wenn auch unsere moralischen Kriterien hier nicht greifen, geschweige denn die Dimenionen, die wir Menschen auszufüllen versuchen.

Es gibt Tiere, die sich im höchsten Maße parasitär verhalten, wenn auch hier unsere Spezies unübertroffen bleibt, indem sie Exemplare hervorbringt, die am Tag 20.000 Euro verdienen und mit einem Federstrich mal 12.000 Menschen entlassen, wenn sich ihre wirtschaftlichen Größenphantasien als sinnfreie Luftblasen entpuppen.

Die Aneinanderreihung der vielen Merkwürdigkeiten aus dem hochkomplexen Beziehungsgeflecht im Reich der Tiere, löst im Leser das Vergleichen mit uns Menschen, die wir der gleichen Gattungsgruppe angehören, geradezu heraus. Und da die meisten Vergleiche hinken, wenn sie nicht in den vielfältigen Gegebenheiten und Notwendigkeiten eines Zusammenhanges – hier des ökologischen – gesehen werden, sollten sie so stehen bleiben. Sinn des Buches ist es, unseren Sinn  und unsere Bewunderung für die unendliche Vielfalt der Ausdrucks- und Verhaltensweisen unserer Tierwelt wieder ins Bewusstsein zu rufen.

In unseren modernen Zeiten, in denen die Vielfalt der menschlichen Verhaltensweisen unablässlich und immer druckvoller – meist aus marktökonomischen Gründen – den Versuchen von Standardisierung und Vereinheitlichung mit dem Ziel des marktkonformen Menschen ausgesetzt ist, lösen diese Ergebnisse aus der Verhaltensforschung der Tiere nicht nur Schmunzeln sondern auch Nachdenken aus.

Auch als Vorlesegeschichten-Fundus für neugierige Kinder ist das Buch sehr zu empfehlen.

Leider nur noch gebraucht für schmale €  zu erstehen: 

ISBN 978-3-550-08692-2

Gute Lektüre für dunkle Novemberstunden

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Bis in diese Novembertage hat sich das Laub auf den Bäumen gehalten. Ungewöhnlich eigentlich. Die Tage werden kürzer. Zeit also, endlich den angesammelten Lesefundus zu sichten und in Angriff zu nehmen.

Beim hiesigen Buchhändler des Vertrauens fiel dem an der Tierwelt Interessierten beim Stöbern ein kleines, hübsch gestaltetes Buch auf, das wie geschaffen schien, als Gute-Nacht-Lektüre zu dienen. 

Dem Titel und dem Inhaltsverzeichnis ist zu entnehmen, dass sich um und mit „Ameisen“ bis „Zitteraalen“ ein bunter Strauß von ernsten Informationen und kurzweiligen, lustigen Tierweltgeschichten zu entfalten verspricht.

Kurzweilig:

„Eine objektive Kuh gibt es nicht“, aber es gibt Einzelkühe. Wer weiß den schon, dass Kühe, denen man Namen gibt – wie die britischen Milchbauern einer Untersuchung das tun – im Jahresdurchschnitt 258 Liter mehr Milch gaben, wie ihre namenlosen Gefährten?

Quelle: keine-gentechnik.de

Wer weiß denn schon, dass – wie der Naturforscher Josef Reichholf feststellt – sich Rabenvögel, Enten und viele andere Vögel inzwischen viel lieber in den Städten als auf dem Lande aufhalten: „Die Dörfer verschließen sich der Natur, die Städte öffnen sich ihr.“

Wer weiß denn schon, dass Erdmännchen über ausgefuchste pädagogische Strategien verfügen? Ihren Jungen legen sie zuerst einen toten Skorpion vor, dann einen lebenden, dem sie aber den Giftstachel herausgerissen haben, und schließlich, wenn die Jungen die Erwachsenen lange genug beobachtet haben, wird ihnen lebende und kampffähige Beute vorgelegt.

Quelle: screenshot YouTube/Will Burrard-Lucas

A propos Obersülzer Frösche! Wer weiß denn schon, das die  winzigen Bromelienfroschweibchen ihre Eier, wenn sie von den Männchen befruchtet wurden, einzeln auf einen bis zu 20 m hohen Bromelienbaum herauf schleppen und sie in die halbröhrenförmigen wässrigen Blätter ablegen. Und das einige Wochen lang rauf und runter, um die Kaulquappen zu ernähren. Dabei fällt für den Bromelienbaum nährstoffreicher Kot ab – eine symbiotische Win-Win-Situation, wie der Ökologe Josef Reichholf befindet.

Quelle: farm8.static.flickr.com

Informativ, Nachdenken anregend und Augen öffnend:

Helmut Höge, Wissenschaftsjournalist, Biologe und Amateurforscher, bezieht sich immer wieder auf Naturforscher, Ökologen und Biologie-Wissenschaftler, die sich auch als „Amateure“ verstehen (im Sinne von „amator“: die lieben, ohne Gegenliebe zu verlangen). Wenn über den Zebrafisch allein im Jahre 2015 etwa 25.000 Studien veröffentlicht wurden, muss schon gefragt werden, welchen Nutzen aus diesem zur „Laborratte“ herunter gekommenen Fisch gezogen werden kann.

Es wird deutlich, dass Helmut Höge nicht diese „grobschlächtige Wissenschaft“ präferiert, sondern sich um die Erkenntnisse von Naturwissenschaftlern bemüht, die statt aus toten diese aus dem Leben der Tiere gewinnnen und zur Diskussion stellen: „Ihr erforscht den Tod, ich das Leben“ (Jean-Henri Fabre).

Des Nachdenkens wert ist, inwieweit aus dem Werk des Naturforschers Darwin nur das Paradigma der Entstehung vom Einzeller bis zum Homo Sapiens als „einzige“ Motoren der Evolution zufällige Mutation und Selektion in einem Kampf ums Überleben der Fittesten als Lehrbuchmeinung installiert wurde und zeitgleich erschienene Werke z.B. von Pjotr Kropotkin über die „Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich“ sich nicht im Bewusstsein der damaligen Wissenschaft wieder finden konnten. Fortschritt, Innovation, Konkurrenz, Eliminierung des Untauglichen waren die „Werte“ der damaligen Zeit des Imperialismus und Kolonialismus – und weit darüber hinaus bis in unsere Tage.

Heute jedoch stellt Lynn Margulis ihr in lebenslanger Arbeit und zunehmend akzeptiertes Konzept zur Diskussion, nach dem sich Leben auf diesem Planeten nicht im “Kampf ums Dasein” entwickelt hat, sondern durch Symbiosen von Einzellern und Bakterien.

Helmut Höge: „Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung“ kann für € 16,00 beim lokalen Buchhändler oder direkt beim Verlag mit gutem Gewinn erstanden werden.

Ein Wesen namens Bien -50 Millionen Jahre alt

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„Das älteste bisher entdeckte Bienen-Fossil, ein Exemplar der Art Melittosphex burmensis, wurde in burmesischem Bernstein gefunden und wird auf ein Alter von 100-110 Millionen Jahren geschätzt. Da jedoch vermutet wird, dass es sich hier nicht um eine Biene, sondern eine Wespe handeln könnte, war dieses Fossil für die Forscher nicht brauchbar. Das älteste Fossil, welches sie in ihre Untersuchung mit einbezogen, war ein Exemplar der Art Cretotrigona prisca aus der späten Kreidezeit. Das exakte Alter ist umstritten, aber man nimmt an, das Fossil könne 65 Millionen Jahre alt sein. Damit hat diese noch den einen oder anderen Saurier sehen können.“[ (Quelle) ]

Der Imker und Tischler Johannes Mehring war der erste, der den Bienenschwarm als „Einwesen“ zu betrachten.
Der Soziobiologe Jürgen Tautz geht heute noch weiter und vergleicht den Bien mit einem Säugetier.
Zu dieser Gattung gehören auch wir Menschen, die Nutznießer der Symbiose mit den Bienen. Dass Menschen sich als die Krone der Schöpfung betrachten und daraus das Recht ableiten, die Natur dem Zwang von Nützlichkeit und Profit zu unterwerfen, kündigt alle symbiotischen Zusammenhänge auf, von denen der Mensch existenziell abhängig ist.

Timm Koch hat ein lesenswertes Buch geschrieben:
Timm Koch: Herr Bien und seine Feinde.2018, Frankfurt/Main (Westend-Verlag ), 20 €.
Koch – ein engagierter und praktizierender Imker – beleuchtet in einer sehr persönlichen, kurzweiligen Weise seine Beziehung zum Bien, dessen Herkunft, Lebensweise und aktuelle Bedrohung.

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(Das Buch gibt es beim lokalen Buchhändler des Vertrauens.)

Schleiereulenpower

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Wir verfolgen bereits seit vielen Jahren, wie sich die Schleiereulen im Kirchturm von Obersülzen und in dem Nistkasten eines benachbarten Daches entwickeln.

2012 mussten wir feststellen, dass die Dohlen den Zugang zum Nistkasten so verbarrikadiert hatten, dass eine der Schleiereulen nicht mehr heraus kam, starb und über den Winter hinweg mumifizierte (hier der Bericht).

01.wSchleiereulenmumie

Inzwischen haben sich die Schleiereulen im Turm prächtig entwickelt. Die erste Brut wurde im Juni ordnungsgemäß getauft ( hier der Bericht ).

Nun hat das vermutlich gleiche Paar im benachbarten Nistkasten eine zweite Brut hervor gebracht.

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Mit der upCam lässt sich das Treiben im vorderen Teil des Nistkastens gut beobachten.

Mit dem Wechsel der Kameraperspektive in den hinteren Teil des Kastens ergibt sich ein vollständiges Bild: 6 Schleiereulennestlinge!

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Bilder: Wünnenberg und upCam

Neues aus der Obersülzer Vogelwelt

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Wir Menschen neigen nun mal dazu, andere Naturwesen zu vermenschlichen – sei es herablassend, weil: wir sind die Krone der Schöpfung, sei es aus dem Bedürfnis, der Natur ganz nah zu sein, uns als Teil von ihr zu begreifen („Mein Freund, der Baum“).

Nur so aus Neugier: Was geht dem Turmfalken durch den Kopf, angesichts der ausdauernden Bemühungen des Fotografen tief unter ihm?

Ignoriert er ihn souverän, stellt er eitel seine Zuckerseite zur Schau? Was weiß man schon.

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Ihn hat man seit Tagen schon gehört. Zu sehen ist der scheue Kuckuck kaum, so als schäme er sich ( wo wir schon beim Vermenschlichen sind), dass er es bequemerweise vorzieht, seine Eier in die Nester anderer meist kleinerer Vögel zu legen und sie von denen auf Kosten der eigenen Brut ausbrüten zu lassen – eine Verhaltensweise, die manchen Angehörigen unserer Spezies nicht so fremd ist: Schmarotzen zu Lasten der Allgemeinheit.

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Dieser Kuckuck musste erschöpft rasten und sich – wohl benommen – sichtbar machen, weil er in einen Abwehrkampf – mit einem Wirtsvogel? – verwickelt war und dabei nicht nur Federn ließ –

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– sondern auch sein 18 mm großes Ei.

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Informationen zur cleveren Eiablage des Kuckucks finden sich hier.

Bilder: F. Sauer

Kerwe-GehEule in O

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Während in einem feudalen Daimler geduldend der führende Kerweborsch sich und seine Kumpanen in ein Stimmkoma heulte, folgte ihm wie in jedem Jahr der heiter-entspannte Kerwezug.

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Auch unser kleiner Naturschutzverein war – wie in jedem Jahr – vertreten, um Kindern den Hauch einer Ahnung des – im aktuellen Falle – dekorativen Nutzens von Totholz zu vermitteln.

Schon früh versammelte sich der geballte haushandwerkliche Sachverstand, um zu beratschlagen,  wie die liebevoll aufgebohrten Astteile in ein dekoratives Schmuckstück zu verwandeln seien.

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Die Schnitt- und Bohrexpertin hatte bereits feste Vorstellung vom Handlungsablauf …

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…. während das Planungskomitee noch diskutierte…,

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.. um schließlich das exakt vermessene Produkt eines – so leid es tut – männlichen Tüftlers zu akzeptieren.

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Der Besucherandrang sprach für sich

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Da unser kleiner Verein sich den digitalisierten Zeitläuften nicht entziehen will, hat er in einem dem Kirchturm gegenüber liegenden Dachfirst installierten Schleiereulenkasten – was man vor Dohlen unbedingt geheim halten sollte – eine WebCam durch einen versierten vereinsinternen Experten montieren lassen. (Eine WebCam ist eine Winzigkamera, die bei einer Bewegung loslegt und filmt – das sind halt so Sachen, die man auch als alter Mensch kennen sollte.)

Nun produziert und produziert dieses Kamerading … und die Schleiereule bewegt sich nun mal oft. Also verfügen wir über eine Datenflut, die der NSA zur Ehre gereichen würde … oder mindestens dem BND …, wenn diese Kamera nicht die heilsame Angewohnheit hätte, bei SPEICHERVOLL alles zu löschen und neu anzufangen. Sehr zu empfehlen für NSA und BND.

Also liegen wir auf der zeitraubenden Lauer, um möglichst spannende Momente des Schleiereulenlebens aufzufangen.

Dazu haben wir auf der Kerwe informiert, indem wir aus der ungeheuren Datenflut – abgestimmt, auf die Aufmerksamkeitsspanne des normalen TV-Guckers einen 2 minutigen kleinen, spannenden Film auf dem eigens installierten Laptop – mit Strom aus der evangelischen Kirche! – gezeigt haben.

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Und hier ist zu sehen -wenn´s klappt – „Das geheime Schleiereulenleben“ – ganz ohne Kerwegeheule.

Bilder und Film: Haas und Wünnenberg

ARTE-Dokumentation über das Spatzenleben in der Welt

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Bei ARTE ist eine wunderschöne Dokumentation über Spatzen zu sehen:

Spatzenleben in Kairo, New York, in China, Moskau, Wien und Paris.

Das Anschauen wird empfohlen (43 Minuten) – als Einstimmung auf die Vogelbeobachtung am Sonntag.

Viel Vergnügen.

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