Kriegseinsatz gegen die Natur kurz vor dem jährlichen Waffenstillstandsgebot in Obersülzen am Landgraben

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Bericht über die jüngsten Eingriffe am Landgraben

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In der Bildzusammenstellung (Bilder: F. Sauer) zum ehemaligen Vogelparadies sitzt der Pirol. wenn man genau hinsieht, in seinem Nest.

Der darunter befindliche Buntspecht steht noch einmal für die ornithologische Vielfalt dieses Gebietes.

Alles wird gut, Greta

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Soviel Natur war noch nie! Und das alles in einer Tageszeitungsausgabe!

Peter Wohlleben, der „Waldmensch“, bekommt ein Personality-Magazin, in dem er „Phänomene der Tier- und Pflanzenwelt, verständlich, gehaltvoll und unterhaltsam“ erklären soll – Startbeginn Frühjahr 2019.

Bereits 2016 war eine starke Dreier-Frauengruppe unserer kleinen Naturschutzvereinigung „Bach und Baum Obersülzen“ beim „Waldmenschen“ vor Ort.

Der Bereich „Wald“ ist also durch Peter Wohlleben kompetent und wirksam abgedeckt.

Eine Wüste in Ägypten soll ein blühender Sehnsuchtsort werden.

Und dazu noch ein Hinweis auf SPEKTRUM.DE mit dem Thema „Mit grünen Oasen gegen die Wüste.“

Aus der Einsicht, dass in sich langsam verwüstenden Landstrichen das Pflanzen von Bäumen zwar nicht grundsätzlich falsch, aber letztlich nicht zielführend ist, kommt der in dem Artikel sehr spannend geschilderten Entdeckung von Tony Rinaudo, einem australischen Missionar in Niger, eine große Bedeutung zu. Rinaudo entdeckte, dass es dort Millionen von Stümpfen gefällter Bäume gibt, die noch über ein intaktes Wurzelwerk verfügen – ein unsichtbarer Wald unter der Erde. Die Ergebnisse seiner Kämpfe um die „Hebung“ und Nutzung dieses unterirdischen Waldes gegen eine von den Kolonialmächten überkommene baumfeindliche Mentalität und gegen die Traditionen der einheimischen Bevölkerung lassen sich inzwischen auf Satellitenbildern bewundern.

Was unseren kleinen Ort Obersülzen anbelangt, verfügen auch wir – und das inmitten einer voll agrarisch genutzten Kultursteppe – durchaus über einige ökologisch wertvolle Hotspots.

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Bereits 1986 wurde die berühmten Obersülzer Wurzelkläranlage – ein Novum der Abfallwasserklärung auch in Deutschland – vom damaligen Umweltminister Töpfer eingeweiht.

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Nun gut – viel ist davon nicht übrig geblieben als eine Brennnesselproduktionsanlage, mit der die Verbandsgemeinde wohl nichts anzufangen weiß. Immerhin ist sie inzwischen die Schutzzone für ein Sprung Rehe.

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In jahrzehntelanger Arbeit hat Ulrich Heinze eigeninitiativ entlang des östlichen Landgrabens ein wahres Amazonien geschaffen.

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Die Renaturierung des Landgrabens 2008 war eine sinnvolle Investition in die Restnatur von Obersülzen.

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Während wir mit angemessener Ruhe – aber nicht zufrieden – zurückgelehnt auf die tagesaktuellen globalen und lokalen aufbauenden Bemühungen in unserer Umwelt blicken, werden wir von einer Meldung der lokalen Presse geschockt.

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Unsere Nachbarstadt Grünstadt hat für ihr hektargroßes Neubaugebiet die Anlage von Schottergärten verboten.

Schottergärten? Die sind doch auch in unserem Neubaugebiet zunehmend entstanden. Da sind doch die Wegpunkte, in denen uns Unbehagen überkommt, aber wo wir uns letztlich sagen: „Die Geschmäcker sind halt verschieden.“ Ein ästhetisches Problem also?

Schnell googeln: 

Stichwort: Schottergärten. = 35.700 Ergebnisse

Stichwort: Schotterwüsten =   8.370 Ergebnisse

Da scheint bei diesem Thema einiges los zu sein – und das fast überall:

Bottrop, Paderborn, Hagen, Wuppertal, Papenburg, Olten in der Schweiz und und und … und jetzt noch Grünstadt.

Es gibt Preise für die schönsten „Gärten des Grauens“ – den TerrorGardeningAward.

Dem Ort Hörstel (könnte auch jeder andere Ort sein, so ist ausdrücklich vermerkt) wurde – initiiert durch den Biologen Ulf Soltau – von einer sachkundigen Jury ein Preis für die schönsten „Gärten des Grauens“ verliehen und diese Auszeichnung so begründet:

„Stadt Hörstel, 1991 noch Gewinner der Goldmedaillen im Bundeswettbewerb `Unser Dorf soll schöner werden ` beweist … mit viel Engagement und Gestaltungswillen, wie man seine Auszeichnung würdigt und verteidigt. Einladend saubere Leerflächen motivieren heute zum Verweilen und zum sozialen Austausch mit Einheimischen (die man unkompliziert mit einem Büschel Unkraut aus ihren Häusern lockt). Störender Igelkot, nervtötendes Grillengezirpe und Vogelgezwitscher sind dabei glücklicherweise auf ein Minimum reduziert .“

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Auf YouTube gibt es einen Lobgesang auf den „Schottergärtner“.

Die „Allgemeine Zeitung Mainz“ äußert sich zu „Keine Schottergärten – mehr Grün auf Dächern“

Die „Bildzeitung“ : „Im Saarland gibt es immer mehr Steinwüsten“ –

Und der „SR“ strahlte eine Sendung aus: „Vorhof des Grauens – Braucht es Steinwüsten in deutschen Vorgärten?

Da scheint sich eine energische Front gegen die zunehmende „pflegeleichte“ Wüstenbildung durch Schotter aufzubauen. Und da so ein Phänomen nicht nur ein ästhetisches ist, sondern auch ein eminent ökologisches, ändern Gemeinden einfach ihre Bauordnungen.

Können die Gemeinden das einfach? Das scheint ein weites Feld zu sein, denn in der Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO) vom 24.11.1998 findet sich nur ein dürres Paragräphlein:

§ 10

Höhenlage, Abfall- und Wertstoffbehälter, nicht überbaute Flächen

(4) Nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke sollen begrünt werden, soweit sie nicht für eine zulässige Nutzung benötigt werden. Befestigungen, die die Wasserdurchlässigkeit des Bodens wesentlich beschränken, sind nur zulässig, soweit ihre Zweckbestimmung dies erfordert.

… mal ganz abgesehen vom doch wohl gewichtigeren Grundgesetz-Artikel 14(2):

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Aber da betreten wir nun ein sehr sehr weites Feld.

Graue Schottersteine aus Indien und China – davon kann ganz sicher ausgegangen werden – sind nicht unbedingt Freudentrigger für`s Gemüt; sie spiegeln eher depressive Grundstimmungen und sind Indiz für individuelle Reinlichkeitszwänge.

Sie heizen das Mikroklima des Ortes ein, haben keinerlei Bedeutung für Pflanzenarten, Insekten, Vögel, Menschen.

Sie sind unzulässig, wenn sie auf mit Folie versiegelten, wasserundurchlässigen Flächen ruhen, siehe LBauO, § 10 (4).

Schottergärten bedürfen ab dem 3. Antilebensjahr liebevoller (paranoider?) Aufmerksamkeit. Da Leben sich nicht unterkriegen lässt, wird es erst langsam, dann immer intensiver zwischen all den indischen und chinesischen Steinen hervorlugen, dann -krabbeln – und spätestens dann wird`s arbeitsintensiv. Es sein denn, man wehrt sich mit der Giftspritze, die verboten ist, gegen all das keimende Leben – und dann ist man als Besitzer eines so schönen Steinhaufens nun gar kein ordentlicher Bürger mehr – was argumentativ schwer zu halten ist, wenn man sich all die „pflegeintensiven“ hektargroßen plastifizierten Spargelflächen in der Obersülzer Gemarkung ins Bewusstsein ruft. What shall`s!

Terrorgefahr besteht, wenn nächtens bei Nieselregen ein unordentlicher Bürger handweise Wildkräuter und anderes Samengedöns unauffällig auf indisches und chinesisches Steingut herabrieseln lässt.

Nun ist es ja nicht so, dass wir´s als kleine lokale Naturschutzgruppe bei all diesen negativen Einwänden und Schmutzeleien bewenden lassen. Wir stellen gern unsere Expertise kostenlos zur Verfügung für jedweden ökologischen Fortschritt in unserem kleinen Dorf Obersülzen – der kleinen „Perle der Unterhardt“.

Wie zu hören ist, soll unser Dorfgemeinschaftshaus um-, an-, zwischengebaut werden. 

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Vielleicht wirkt es ein wenig bemüht, dass wir zurück ins Altertum gehen und die schon damals Aufsehen erregenden und bis heute staunenswerten hängenden Gärten der Semiramis erwähnen, aber als kleine Vorstellungshilfe hätten wir sie doch gern platziert.

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In allen Weltstädten, die auf ökologische Zeichen setzen wollen, gibt es inzwischen die begrünten Fassaden – in Paris, in Barcelona, Reykjavik …

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… Wohlgefühloasen für tausende Bewohner.

Nehmen wir doch mal dieses Versprechen in ernsthaftes Erwägen: Hydrokultur – automatisch bewässert, pflegeleicht … große Ausblicke: Pflanzsysteme in Stadt- Freiland- Gebäudebegrünungen. Nehmen wir doch diese Werbung zur Kenntnis – und träumen mal ein wenig.

Und für unser Dorfgemeinschaftshaus könnte dann – andere Lösungen sind denkbar – so etwas herauskommen.

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Man stelle sich nur einmal vor, welche Marketingeffekte sich für unser Dorf durch so eine Maßnahme erzielen lassen. 

Jeder, der unser Dorf im Auto befährt wird die 30-km-Zone nicht nur beachten, er wird stehen bleiben, sich erfreuen, sein Erlebnis verbreiten und so immer fort … (ab hier kann jeder weiterspinnen).

Greta, bis es soweit ist – bleib sitzen!

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Warum Pandas Handstand machen – ein zoologisches Schmunzelkabinett

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Da die Zeit der Gabentischbeschickung nicht mehr allzu fern ist, möchte der Anregungsservice unserer kleinen Naturschutzgruppe die Aufmerksamkeit lenken auf ein kleines, im höchsten Maße amüsantes und des Nachdenkens wertes Buch lenken, das – fundiert mit einer im Anhang befindlichen umfangreichen Literaturauswahl – die ungeheure Vielfalt der tierischen Verhaltensweisen anspricht.

 Tiere sprechen mit ihrem Körper. In Panama gibt es Frösche, die – wie Blücher mit seinem Vorwärts-Degen – den anderen Fröschen mit Vorder- und Hinterbeinen die von ihnen gewünschte Richtung anzeigen.

Tiere singen, trauern, spielen, sind untreu, sind homosexuell, sind sozial, pädagogisch, reisen gern, freuen sich des Lebens – und einige von ihnen sind kaltblütige Massenmörder – wenn auch unsere moralischen Kriterien hier nicht greifen, geschweige denn die Dimenionen, die wir Menschen auszufüllen versuchen.

Es gibt Tiere, die sich im höchsten Maße parasitär verhalten, wenn auch hier unsere Spezies unübertroffen bleibt, indem sie Exemplare hervorbringt, die am Tag 20.000 Euro verdienen und mit einem Federstrich mal 12.000 Menschen entlassen, wenn sich ihre wirtschaftlichen Größenphantasien als sinnfreie Luftblasen entpuppen.

Die Aneinanderreihung der vielen Merkwürdigkeiten aus dem hochkomplexen Beziehungsgeflecht im Reich der Tiere, löst im Leser das Vergleichen mit uns Menschen, die wir der gleichen Gattungsgruppe angehören, geradezu heraus. Und da die meisten Vergleiche hinken, wenn sie nicht in den vielfältigen Gegebenheiten und Notwendigkeiten eines Zusammenhanges – hier des ökologischen – gesehen werden, sollten sie so stehen bleiben. Sinn des Buches ist es, unseren Sinn  und unsere Bewunderung für die unendliche Vielfalt der Ausdrucks- und Verhaltensweisen unserer Tierwelt wieder ins Bewusstsein zu rufen.

In unseren modernen Zeiten, in denen die Vielfalt der menschlichen Verhaltensweisen unablässlich und immer druckvoller – meist aus marktökonomischen Gründen – den Versuchen von Standardisierung und Vereinheitlichung mit dem Ziel des marktkonformen Menschen ausgesetzt ist, lösen diese Ergebnisse aus der Verhaltensforschung der Tiere nicht nur Schmunzeln sondern auch Nachdenken aus.

Auch als Vorlesegeschichten-Fundus für neugierige Kinder ist das Buch sehr zu empfehlen.

Leider nur noch gebraucht für schmale €  zu erstehen: 

ISBN 978-3-550-08692-2

Wo sind die Obersülzer Frösche?

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Sind sie am Dorfbrunnen ?

Foto: Haas

Oder am Spielplatz?

Foto: Haas

Oder sind es die Einwohner, die als Frösche bezeichnet werden und die so stolz darauf sind, dass sie vor vielen Jahren einen Kerwewagen gestaltet haben?

Foto: Marsch

Dass die Obersülzer  als Frösche bezeichnet werden,  haben sie mit Einwohnern in Feuchtgebieten und an Bächen gemeinsam: Hohen-Sülzen, Beindersheim, Speyerdorf, Jockgrim u.a.. 

Aber lebendige Frösche in Obersülzen ?  

Wäre es denkbar, dass sich im Umfeld des renaturierten Landgrabens ein Lebensraum für Frösche entwickelt hat ? Die Vermutung könnte zutreffen, wenn nicht allzu weit entfernt Amphibien vorkommen:

Wir sind mit  Dr. Michael Leible am Landgraben gewesen. Er hat zugesagt, 2019 das Gebiet in seine Forschungen mit einzubeziehen. Vielleicht findet er die Frösche, denen die Obersülzer ihren Necknamen verdanken – den Teichfrosch (Wasserfrosch), wie er in einem privaten Teich in Obersülzen vorkommt.

Foto: Sauer

Oder den Grasfrosch – Lurch des Jahres 2018 – dessen Lebensraum der Landgraben sein könnte.

Richard Bartz, Munich aka Makro Freak/wikipedia/CC BY-SA 2.5

Zu  wünschen wäre es. Damit es auch wieder echte lebendige Frösche in einem gefährdeten Lebensraum gibt.

Text: Bernd Haas

Obersülzer Pyramidenbau

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Während anderswo beim Pyramidenbau zunächst einmal das eigentliche Bauwerk und dann die Informationshinweise dazu errichtet werden, geht so etwas bei uns anders herum.

Über unsere Absicht, einen Steinhaufen als Winterquartier und Sonnenplatz für Kleintiere, besonders Eidechsen, innerhalb des Landgrabengebietes ab 2017 zu gestalten, haben wir hier schon berichtet.

Inzwischen hat sich einiges getan.

Bereits im September 2016 wurde mit der geballten Man- und Maschinenpower des Weingutes Übel die ersten Steine an das bereit stehende Kiesbett geschafft

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und anschließend von Christiane Stiehl-Haas und Bernd Haas mit Steinen bedeckt.

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Dieser Ursteinhaufen – im notwendigen Umfang und Volumen viel zu klein – harrte geduldig seiner weiteren Zunahme. Die Infotafel gab schon mal über die erhoffte Belebung Auskunft.

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In der Zwischenzeit baute Christiane Stiehl-Haas immer mal wieder eine kleine neue Schicht sachgerecht aus.

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Da traf es sich gut, dass der SVO einen großen Haufen mit Feldsteinen von seinem Gelände selbstlos hergeben konnte, der dann im November in die Nähe des Ursteinhaufens abgeladen wurde.

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Die Hoffnung auf fortschrittliche Trainigsmethoden für den Balleinwurf von der Linie, mit denen Schüler- und Jugendmannschaften des SVO nach dem Geländelauf auf effektive Weise mit den Steinen präzise Würfe auf den Steinhaufen hätten üben können – wie das Obersülzer Senioren hier vorbildlich vorführen – erfüllte sich nicht.

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Von den Arbeitern beim antiken Pyramidenbau steht geschrieben, dass sie, wenn ihre Arbeitsbedingungen zu hart wurden, sich nicht scheuten gegen den Pharao zu streiken.

Treib aber mal in Obersülzen einen Pharao auf.

So blieb den drei Vereinssenioren nichts anderes übrig, selbst mühsam Hand anzulegen, damit der Steinhaufen im Laufe der Zeit seinen eigentlichen Zweck erfüllen möge.

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Und dass dieser Zweck ein sinnvoller ist, lässt sich hier bei wikipedia sehr gut nachlesen.

Bilder: Bernd Haas

Gute Lektüre für dunkle Novemberstunden

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Bis in diese Novembertage hat sich das Laub auf den Bäumen gehalten. Ungewöhnlich eigentlich. Die Tage werden kürzer. Zeit also, endlich den angesammelten Lesefundus zu sichten und in Angriff zu nehmen.

Beim hiesigen Buchhändler des Vertrauens fiel dem an der Tierwelt Interessierten beim Stöbern ein kleines, hübsch gestaltetes Buch auf, das wie geschaffen schien, als Gute-Nacht-Lektüre zu dienen. 

Dem Titel und dem Inhaltsverzeichnis ist zu entnehmen, dass sich um und mit „Ameisen“ bis „Zitteraalen“ ein bunter Strauß von ernsten Informationen und kurzweiligen, lustigen Tierweltgeschichten zu entfalten verspricht.

Kurzweilig:

„Eine objektive Kuh gibt es nicht“, aber es gibt Einzelkühe. Wer weiß den schon, dass Kühe, denen man Namen gibt – wie die britischen Milchbauern einer Untersuchung das tun – im Jahresdurchschnitt 258 Liter mehr Milch gaben, wie ihre namenlosen Gefährten?

Quelle: keine-gentechnik.de

Wer weiß denn schon, dass – wie der Naturforscher Josef Reichholf feststellt – sich Rabenvögel, Enten und viele andere Vögel inzwischen viel lieber in den Städten als auf dem Lande aufhalten: „Die Dörfer verschließen sich der Natur, die Städte öffnen sich ihr.“

Wer weiß denn schon, dass Erdmännchen über ausgefuchste pädagogische Strategien verfügen? Ihren Jungen legen sie zuerst einen toten Skorpion vor, dann einen lebenden, dem sie aber den Giftstachel herausgerissen haben, und schließlich, wenn die Jungen die Erwachsenen lange genug beobachtet haben, wird ihnen lebende und kampffähige Beute vorgelegt.

Quelle: screenshot YouTube/Will Burrard-Lucas

A propos Obersülzer Frösche! Wer weiß denn schon, das die  winzigen Bromelienfroschweibchen ihre Eier, wenn sie von den Männchen befruchtet wurden, einzeln auf einen bis zu 20 m hohen Bromelienbaum herauf schleppen und sie in die halbröhrenförmigen wässrigen Blätter ablegen. Und das einige Wochen lang rauf und runter, um die Kaulquappen zu ernähren. Dabei fällt für den Bromelienbaum nährstoffreicher Kot ab – eine symbiotische Win-Win-Situation, wie der Ökologe Josef Reichholf befindet.

Quelle: farm8.static.flickr.com

Informativ, Nachdenken anregend und Augen öffnend:

Helmut Höge, Wissenschaftsjournalist, Biologe und Amateurforscher, bezieht sich immer wieder auf Naturforscher, Ökologen und Biologie-Wissenschaftler, die sich auch als „Amateure“ verstehen (im Sinne von „amator“: die lieben, ohne Gegenliebe zu verlangen). Wenn über den Zebrafisch allein im Jahre 2015 etwa 25.000 Studien veröffentlicht wurden, muss schon gefragt werden, welchen Nutzen aus diesem zur „Laborratte“ herunter gekommenen Fisch gezogen werden kann.

Es wird deutlich, dass Helmut Höge nicht diese „grobschlächtige Wissenschaft“ präferiert, sondern sich um die Erkenntnisse von Naturwissenschaftlern bemüht, die statt aus toten diese aus dem Leben der Tiere gewinnnen und zur Diskussion stellen: „Ihr erforscht den Tod, ich das Leben“ (Jean-Henri Fabre).

Des Nachdenkens wert ist, inwieweit aus dem Werk des Naturforschers Darwin nur das Paradigma der Entstehung vom Einzeller bis zum Homo Sapiens als „einzige“ Motoren der Evolution zufällige Mutation und Selektion in einem Kampf ums Überleben der Fittesten als Lehrbuchmeinung installiert wurde und zeitgleich erschienene Werke z.B. von Pjotr Kropotkin über die „Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich“ sich nicht im Bewusstsein der damaligen Wissenschaft wieder finden konnten. Fortschritt, Innovation, Konkurrenz, Eliminierung des Untauglichen waren die „Werte“ der damaligen Zeit des Imperialismus und Kolonialismus – und weit darüber hinaus bis in unsere Tage.

Heute jedoch stellt Lynn Margulis ihr in lebenslanger Arbeit und zunehmend akzeptiertes Konzept zur Diskussion, nach dem sich Leben auf diesem Planeten nicht im “Kampf ums Dasein” entwickelt hat, sondern durch Symbiosen von Einzellern und Bakterien.

Helmut Höge: „Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung“ kann für € 16,00 beim lokalen Buchhändler oder direkt beim Verlag mit gutem Gewinn erstanden werden.

Seniorennachmittag 2018 – Schwalben und Vorgärten in O

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Beim alljährlich Ende September von  unserer Naturschutzgruppe für die Ortsgemeinde  gestalteten Seniorennachmittag gab es wie immer Kaffee und Kuchen und gute Gespräche unter allen Anwesenden.

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Im weiteren Programmteil berichtete Ulrich Heinze über das Schwalbenjahr in seiner Mehlschwalbenkolonie auf seinem Anwesen mit 263 Kunstnestern (größte Mehlschwalbenkolonie Deutschlands!) 

Die Nester  werden jährlich von ihm  gereinigt, weil sich  Parasiten ansiedeln, die Krankheiten verursachen können.  

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In der Natur bauen Schwalben jedes Jahr ein neues Nest.  2018 kamen  die ersten Trupps  am 7. April an. Anfangs  ist der Bruttrieb noch nicht so ausgeprägt, so dass manche Schwalben wieder weiter ziehen. Nach und nach kamen bis Mitte Mai weitere  Trupps  an. Gelegentlich kam es vor, dass Neuankömmlinge bereits brütende aus den Nestern heraus warfen. Belegte Nester erkennt Ulrich Heinze daran, dass Halme herausragen, weil die Schwalben vor der Eiablage die Nester auspolstern. So wurden rund 100 Nester belegt. 

Wenn Jungvögel geschlüpft sind, werfen die Altvögel  die Eierschalen heraus. Daran lässt sich der Bruterfolg messen.  Bei den Erstbruten schlüpften meist 5 bis 6 Junge, bei den Zweitbruten 3 bis 4.  Insgesamt sind 2018 rund  500 Jungvögel geschlüpft. 

Eine Schwalbenkolonie  lockt Feinde an,  vor allem Turmfalken, die vergrämt werden müssen. Auch Dohlen und Elstern versuchen, Eier aus den Nestern zu holen. 

Durch die  Sommerhitze  gab es in diesem Jahr  viele Fluginsekten, die für Schwalben die Hauptnahrung sind. (Als natürliche Schädlingsbekämpfer sind daher Schwalben  seit alters her beliebt.)   

Die letzte Brut dieses Jahres endete am 7. September.  Ob diese Jungen dann noch genügend entwickelt sind, um den weiten Flug zu überstehen, ist sehr fraglich.  

Vor dem Abflug sammeln sich die Vögel auf den Stromdrähten. Der Abflug erfolgt in einzelnen Gruppen. Auf dem Flug in den Süden lauern noch viele Gefahren. 

Bevor die Senioren sich  an neuem Wein und Zwiebelkuchen erfreuen konnten, galt es, noch ein Rätsel über das Neu-Obersülzen zu lösen.  Dazu machte  Bernd Haas  die folgenden Vorbemerkungen:

Wir, als Senioren, kennen Obersülzen, wie es früher war.  Vor 30 Jahren sah es in dem Gebiet zwischen Zollstock und Neuweg noch ganz anders aus: Wo jetzt der Dorfbrunnen ist, war der Garten Klingel. Nach Süden zu gab es  Äcker mit Obstbäumen bis hin zum Aussiedlerhof Benzinger. Dieser war von hohen Bäumen umsäumt, auf denen ein reges Vogelleben herrschte. Insbesondere der Pirol war dort häufiger Gast. Der Feldweg der zum Karlbacher Weg führte, war von Äckern umsäumt. Und vom Neuweg aus erreichte man den Sportplatz mit dem Budchen, der Dorfschänke.

Zwischen Zollstock und Neuweg gibt es jetzt drei Zwischenverbindungen: Der ehemalige Feldweg zwischen Anwesen Benzinger und Karlbacher Weg heißt jetzt „Hinter den Gärten“. Davon zweigt nach Süden in einem Bogen die Straße Neunmärkerei ab,  nach Norden ebenfalls bogenförmig auf dem Gelände des früheren Sportplatzes die Straße  „Alter Sportplatz“. 

An diesen 5 Straßen wurden  neue Wohnhäuser gebaut. Herr Bickel hat in den Anfangsjahren der Bautätigkeit bei  seinen täglichen Spaziergängen  im Neubaugebiet regen Kontakt mit den künftigen Eigentümern gehabt und ihnen zum Einzug nach alter Sitte Brot und Wein überreicht. Aber Herr Bickel ist schon lange verstorben.

Vor jedem neugebauten Haus sollte ein Vorgarten sein. Die Eigentümer haben das unterschiedlich vorgenommen:  Da gibt es bis 2 Meter hohe Thuja- und Kirschlorbeerhecken, die das Haus umgrenzen und den Einblick verwehren sollen. Andere haben Schottergärten angelegt, auf denen so gut wie keine Pflanzen zu finden sind und natürlich auch keine Schmetterlinge und Käfer anlocken. Das ist nicht nach jedermanns Geschmack . (Rege Anteilnahme bei den Senioren!)

 Es gibt aber auch Häuser, bei denen sich die Eigentümer bewusst sind, dass sie mit ihrem Vorgarten Menschen, die vorüber gehen erfreuen können und die selbst stolz darauf sind, eine wohnliche Umgebung zu haben. Ich habe in den fünf Straßen  insgesamt neun solcher Vorgärten fotografiert: Am Zollstock,  Hinter den Gärten, Neunmärkerei, Alter Sportplatz und Neuweg – und auf einem Rätselblatt dokumentiert. 

Wer dort spazieren gegangen ist, hat diese Häuser schon gesehen. Aber welches Haus steht in welcher Straße?   Das wird interessant sein, herauszufinden…..Also: Probiert es aus und versucht euer Glück. Auflösung erfolgt später.

Nach der Rätselrunde  wurde  den Fotos die entsprechenden Straßennamen,  Hausnummer und Namen der Eigentümer mitgeteilt. Dankbar nahmen die Anwesenden die ausgefüllten Blätter als Anregung mit, die Vorgärten aufzusuchen.. Wer wollte, konnte weitere Rätselblätter mitnehmen um Bekannte oder Angehörige rätseln zu lassen. 

Wer kennt sich aus in Neu-Obersülzen? (Auflösung)

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Die Häuser stehen in 5 verschiedenen Straßen:

Im Neuweg  (N)    1         Hinter den Gärten (HdG)  2         Neumärkerei (Nm)   3  Alter Sportplatz (AS)       2                    Am Zollstock  (Z)          1

Bitte neben den Zahlen die Buchstaben eintragen!  


 

Während abschließend neuer Wein und Zwiebelkuchen angeboten wurden, gab es bis zum Ende gegen 18 Uhr reichlich Gesprächsstoff, auch über bestehende oder nicht bestehende  Kontakte  zwischen den Neubürgern und den Senioren.

Text: Bernd Haas

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