Wilde Kräuter – tiefe Genüsse

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Wer sich jahraus, jahrein – wie unsere kleine Naturschutzgruppe – bemüht, heimischen Vögeln Wohnraum zu schaffen, muss – schon aus Gründen des psychischen Gleichgewichts – auch mal für sich etwas tun.

Deshalb machte sich eine starke Gruppe von uns auf den Weg nach Lambsheim zur Wildkräutergärtnerin Ivonne Ullrich in ihren „WILDKRÄUTERGARTEN“ , zwecks Bildung und Verfeinerung des eigenen Geschmacks und seiner Geschmacksknospen.

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Was zeichnet eine Wildkräutergärtnerin aus? Zunächst die Liebe zu allem Wilden, Unscheinbaren, aber geheimnisvoll Mächtigen in der Natur. Dazu sind offensichtlich empfindsame Füße als sensitive Erdung und Fühlsame notwendig.

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Angesichts einer für Laienaugen scheinbar sich selbst überlassenen Ackerfläche genügt nicht ein perfekter Auftritt als barfüßige Wildkräutergräfin, um eine Gruppe von Menschen zu bannen, die nicht über die Kenntnis von Omas Küchenkräutern hinaus gekommen sind.

Hinzu muss kommen pädagogisches Geschick, unterlegt mit Wildkräuter-Enthusiasmus.

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Da sind dann schnell weiblicher Beschmückungsimpuls und übliche männliche Skepsis überflüssig.

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Ivonne Ullrich führt uns durch ihren wilden Kräutergarten, benennt Kräuter, lässt sie uns kosten und bereitet so unseren Geschmacksnerven sehr ungewohnte, oft verblüffende Sensationen.

Dazu beruft sie sich auf das reiche Wissen unserer Altvorderen.

Dass Wildkräuter imstande sind 100 Jahre im Boden zu überdauern, ist sicher manchem von uns neu.

Wer kann die vielen Kräuter überhaupt erst einmal wahrnehmen, geschweige denn sie identifizieren – alle diese, um nur einige aufzuführen:

1. Nachtkerze

2. Mohn

3. Hederich

4. Ackerlabkraut

5. Salzmelde ( der Arme-Leute-Salat)

6. Weißer Gänsefuß

7. Lattich

8. Ferkelkraut

9. Spitzwegerich (der nach Champignon schmeckt)

10. Beinwell

11. Johanniskraut

12. Leimkraut

13. Bronzefenchel

14. Berufskraut

15. Franzosenkraut (mit dem höchsten Eisengehalt)

16. Wilder Rucola

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Wer will, ist aufgefordert, die Kräuter zuzuordnen. Für eine sachgenaue Auflösung kann nicht garantiert werden – schlicht aus mangelnder Kenntnis.

Die kann eingeholt werden bei

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Den Abschluss des angewandten Wildkräutergenusses bildete eine Verkostung mit köstlichen Wildkräuter-Gelees und -salzen auf Brot und Butter …

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zubereitet von Ivonne Ullrich.

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Was will uns das sagen, dass für die Zeit unseres Besuches im Wildkräutergarten alle dunkel vollgesogenen Wolken einen großen Bogen um uns herum machten?

Bilder: H. Wünnenberg

Reise in den Märchenwald

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In frühester Jugend waren die angrenzenden Waldgebiete für uns Kinder Orte voll kindlicher Vergnügen. Während die Mädchen sich auf den Lichtungen die gepflückten Blumen in Kränzen ins Haar flochten und vom Märchenwald träumten, knallten wir Jungen mit unseren Zwillen Eicheln gegen die Baumstämme.

In der Schule wurde vom Mythos des Deutschen Waldes geraunt, der mit seinen deutschen Eichen und seinen deutschen Hirschen auf der Welt nicht seines gleichen findet.

Wenn`s hochkommt, ließ uns ein junger Biologielehrer im Frühjahr an hohen Buchen mit dem Stethoskop das Rauschen des Wasser in den Stämmen erlauschen, wobei wir uns gegenseitig versicherten, dass wir ein Mordsrauschen hörten – obwohl jeder unsicher war, ob dort wirklich etwas zu hören war.

Später sang es „Unser Freund der Baum“, wohl um die ständigen Alarmmeldungen vom Absterben des Deutschen Waldes zu übertönen.

Keiner hat uns von den Wundern der Bäume erzählt, z.B. von ihren Fähigkeiten

• miteinander zu kommunizieren, über ihr Wurzelwerk, ihre Düfte, über Pilze,

• sich gegenseitig zu ihrer aller Nutzen zu unterstützen,

• sich während ihres Wachstums auf raffinierte Weise ihre Kräfte einzuteilen.

Keiner konnte uns in unserer Schulzeit erklären, warum ältere Bäume schneller wachsen oder wie die Versorgung mit Wasser in ihnen letztlich funktioniert.

Wald wurde beschränkt auf seine Funktionen Erholung, wirtschaftlicher Nutzen und Jagdvergnügen.

In den letzten Jahren hat das sich stark erweiterte Forschungsfeld um Baum und Wald staunenswerte Ergebnissen produziert, deren anschauliche Theorie und fundierte Praxis in einem seit Monaten auf der Sachbuchbestsellerliste stehenden Buch voller Lesegenuss zu genießen ist.

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(ISBN-13: 978-3453280670 – beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Peter Wohlleben ( nomen est omen) ist der verantwortliche Förster in Hümmel, einer rheinland-pfälzischen kleinen Eifel-Gemeinde, die den größten Teil ihres Gemeindewaldes, ein rund 4000 Jahre alter Buchenwald, „urwäldlich“ erhalten will. Kling märchenhaft – ist es auch. Denn: Dieser Wald erbringt höheren wirtschaftlichen Nutzen als die herkömmlichen Forste – vom ökologischen Gewinn einmal abgesehen.

Dass eine Gemeinde ein großes Stück Natur sich weitestgehend selbst überlässt und sehr gut damit fährt, hat Franz Josef Adrian, ein Streiter für eine ökologische Forstwirschaft in seinem sehr lesenswerten Bericht über Hümmel  ausführlich mit ausgezeichnetem Bildmaterial dargestellt.

In unseren ökologisch rauen Gefilden sind wir`s gewohnt, dass Hecken- und Sträucherwerk entlang von Wegen gegen Februar mit Maschinengewalt zerhauen, gestutzt und geschreddert wird. Wir müssen zusehen, dass mit Kräutern, Gras und Blumen bewachsene „Betriebsgelände“ nach einem „Pflegeplan“ zweimal im Jahr ratzekahl kahl gemäht werden. Manchmal werden gesunde Bäume gefällt, manchmal verschwindet eine mit Steuergeldern bezahlte Streuobstwiese. All das natürlich aus bürokratisch gehärtetem guten Willen, aus Sicherheitsgründen und zur Verkehrssicherheit für überdimensionierte Traktoren und Vollernter – also zu unser aller Wohl: Wir haben`s nun einmal gern reinlich und bequem.

Um wenigstens einmal zu erleben, wie ökologische Erkenntnisse und Vorstellungen sich nicht nur als Visionen (Helmut Schmidt: „Wenn Sie Visionen haben, gehen Sie zum Psychiater!“) sondern in der Realität anfühlen (sicherlich auch, um alte kindliche Märchenwaldträume wieder anklingen zu lassen), haben sich die Triumvirätinnen des Vorstandes unserer kleinen Naturschutzgruppe aufgemacht in die raue Eifel zur Erkundung der naturgemäßen Waldwirtschaft in Hümmel.

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Ihre Eindrücke und begeisterten Schilderungen decken sich mit dem oben erwähnten Bericht von Franz Josef Adrian. Allerdings kamen sie auch mit der Erkenntnis zurück, dass in dem dunklen Tunnel des Interessengeflechtes von Forstwirschaft, ihrer Bürokratie und dem Jagdwesen – und vor allem an fehlendem Wissen und mangelnder Offenheit für die notwendige Ökologie des Waldes ( und der ganzen Natur ) kein Licht zu sehen ist.

Lilien erblühen – eine Meditation zur Nacht

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Lilies time lapse from J. Pahle on Vimeo.

Stille Schönheit

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Aus 100 m Höhe sehen sie aus wie akkurat ausgerichtete Streichhölzer – die gefällten Pappeln entlang des Landgrabens – eine Allee horizontal.

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Was von der vorangegangenen Generation als heranwachsendes Zündholzreservoir gedacht war, liegt nun auf beiden Seiten des Landgrabens – 110 Pappelholzstämme. Eine Zahl, die einem – spaziert man an den Stämmen entlang – gar nicht bewusst wird.

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Und manch einer der gefällten Pappelriesen verbirgt still seine kleinen Schönheiten.

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Bilder: H. Wünnenberg

Herbstzeit lose genießen …

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… sollte auf die kleinen Radtouren durch die sich langsam verfärbenden Wälder und Auen beschränkt bleiben.

Besonders dann, wenn dem verblüfften Auge in feuchtem Grün am Boden zu dieser Zeit diese Pflanze auffällt.

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Ein Krokus im Herbst? Nicht ganz – man nennt diese Pflanze zwar auch Giftkrokus – aber ihr gefährlicher Charakter hat Menschen seit langen Zeiten zu vielen Namen angeregt: Butterwecken, Giftblume, Hahnenklöten, Henne, Hennegift, Herbstblume, Herbstlilie, Herbstvergessene, Hundsblume, Hundshode(n), Hundsknofel, Käsestäuber, Kokokköl, Kuckucksweck, Kühe, Kuhditzen, Kuheuter, Läuseblume, Leichenblume, Michelsblume, Michelwurz, Mönchskappen, Nacktarsch, Nackte Hur, Nackte Jungfer, Ochsen, Ochsenpinsel, Spindelblume, Spinnblume, Teufelsbrot, Teufelswurz, Wiesenlilie, Wiesensafran, Wildsafran, Wilde Zwiebel, Winterhaube, Winterhauch und Zeitlose.

Der deutsche Name Herbst-Zeitlose leitet sich davon ab, dass die Pflanze im Herbst bis in den Oktober hinein und damit außerhalb der Blütezeit anderer Pflanzen blüht.

Wikipedia dazu:

„Der wissenschaftliche Gattungsname Colchicum leitet sich hingegen von einer Landschaft am Schwarzen Meer ab, der Kolchis im heutigen Georgien. Dort soll auch die Heimat der sagenhaften Medea sein, ihres Zeichens Giftmischerin und Zauberin. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Sagen um eine Giftmischerin in dieser Region und dem dortigen Vorkommen der Zeitlosenart Colchicum variegatum.

Das Artepitheton autumnale ist ein Verweis auf die Blütezeit im Herbst und leitet sich vom lateinischen autumnus „Herbst“ ab.“

Die Herbstzeitlose sprießt zur gleichen Zeit wie der Bärlauch und wächst auch an den gleichen Stellen.

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Bärlauch

Herbszeitlose_wHerbstzeitlose

Wer hier einen falschen Griff tut, dem kann es übel ergehen.

Denn die Herbstzeitlose ist stark giftig und der Verzehr kann lebensbedrohlich sein. Ursache dafür ist das starke Zellgift Colchicin, das heftige Blutungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und gefährliche Herzprobleme auslösen kann. Auch Schwindel, Angstzustände und Delirien sind bekannt. Das Colchicin wird in geringen Dosen als verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen den akuten Gichtanfall eingesetzt. Ansonsten wird Colchicin in der Homöopathie gegen die Beschwerden verwendet, die es auslösen kann.

Sind so kleine Früchte …

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F.Sauer

… und prangen in ihrer nutzlosen Schönheit zur Zeit an einem Baum, versteckt in einer der seltenen Heckenreihen, die die Obersülzer Gemarkung noch aufweisen kann.

002wH. Wünnenberg

In unseren Tagen, in denen auch die Obstproduktion den vielfältigen Vorschriften einer alles egalisierenden EU-Vorschriftenpraxis unterworfen werden muss, hat dieser Baum – der SPEIERLING – mit seinen fast „nutzlosen“ Früchten als Solitär unter sehr viel Mühen überlebt.

Wer glaubt, dass diese immer mehr wuchernden, alles normierenden Vorschriften, die möglichst alles Solitäre, alle individuelle Vielfalt zugunsten eines zentralistischen kalten Kosten-Nutzen-Kalküls eliminiert, spätestens mit dem Scheitern aller 5-Jahres-Pläne des sogenannten „sozialistischen Lagers“ ad absurdum geführt worden sind, der irrt sich wohl.

Ein Blick zurück zu den Zeiten Karls des Großen. Er ließ vom Orden der Benediktiner bereits eine Landgüterverordnung verfassen, das Capitulare de villis vel curtis imperii. Mit dieser Verordnung wurde  beschrieben, wie das Land, welches der Krone gehörte, bewirtschaftet werden sollte. Altes römisches Agrarwissen wurde rekonstruiert und eingebaut, Pflanzenlisten aufgestellt, die Buchführung in den Krongütern, den Domänen vorgeschrieben – das alles, um die Versorgung des kaiserlichen Hofes in den Pfalzen des Reiches sicher zu stellen.

Auch unser Speierling hatte in diesen Pflanzenlisten als „sorbus domestica“ dort seinen Platz, den er den Römern verdankte, die ihn nördlich der Alpen verbreiteten.

Die Früchte des Sperlings sind gerbstoffreich und nur überreif zu genießen. In der mittelalterlichen Medizin spielte sie als Heilmittel gegen Durchfall und Ruhr eine Rolle.

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Johann Georg Sturm

Heute spielen die Äpfel des Speierlings noch als Zugabe zum Apfelwein im Hessischen oder beim Brennen eines Obstlers eine Rolle.

Weil sein Holz extrem dicht und hart ist, hat es der Speierling schwer, mit seinem ausgeprägten Lichtbedürfnis in dichten bewirtschafteten Waldungen hoch zu kommen. Wenn er solitär steht, kann er bis zu 20 m breite Kronen bei 15 – 18 m Höhenwuchs entwickeln.

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Foto © Baumkunde.de, Bestimmung Habitus im Herbst von Speierling

Weil die Keimlinge des Speierlings stark durch Pilzbefall und Wildverbiss gefährdet sind, hatte sich sein Vorkommen seit mehr als 100 Jahren stark vermindert.

Erst als er 1993 zum „Baum des Jahres“ gekürt wurde, wurde er stark beachtet, seine Keimlinge gezüchtet und vielerorts ausgebracht.

So kamen auch Setzlinge nach Obersülzen, von denen 4 überlebten.

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H. Wünnenberg

Mit dem Setzen mittels eines Spatenstichs ist so eine Aktion nicht getan. Der Setzling muss gegen Wildverbiss mit einem Drahtnetz gesichert werden; zusätzliche Arbeit, die jemand – und das für einen „nutzlosen“ Baum – leisten muss.

Ulrich Heinze hat das in all den Jahren geleistet, in denen er rund um die alte Kläranlage eine grüne Oase – oft auch gegen Verwaltungswiderstände – durch vielhundertfaches Anpflanzen verschiedenster Bäume entstehen ließ.

Und so können wir uns an der Schönheit dieses Baumes mit seinen Früchten erfreuen.

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F.Sauer

Wenn Grillen singen

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So klingt ein Schwarm von Grillen, wenn man eine Tonspur im Original belässt und eine zweite so Schritt für Schritt verlangsamt, dass sie die Dauer eines durchschnittlichen Menschenlebens spiegelt.

Hier hatten wir bereits entdeckt, dass Weinreben auf die Musik von Mozart ansprechen. Dass Pflanzen „tönen“, wenn man ihre Impulse für das menschliche Ohr moduliert, ist seit langem bekannt.Z_Notiz_Höfferl

Christoph Höfferl lässt Pflanzen „singen“.

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