Im Juni den Schwirrflug der Libellen bewundern

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Wer im Juni am Landgraben entlang geht, ist überrascht von der Vielzahl von Libellen, die in Bachnähe aber auch im Wiesengelände umher schwirren. 

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Ihr schwirrender Flug ist für das Auge kaum wahrnehmbar. Die Flugkünste von Libellen sind atemberaubend. Sie können extrem schnell beschleunigen, aus vollem Flug abbremsen und plötzlich die Richtung ändern. Ihre Flugkünste ähneln mehr einem Hubschrauber als einem Flugzeug. Sie zu fotografieren ist  extrem schwierig. Wer es versuchen will, ist darauf angewiesen, den Moment abzupassen, wenn sich die Libelle einmal nieder lässt. Friedel Sauer ist das im letzten Jahr bei einer  gebänderten Prachtlibelle (Calopterix splendens) gelungen:

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Die Gebänderte Prachtlibelle ist die häufigste Art, die am Landgraben vorkommt. Sie benötigt zur Vermehrung Unterwasservegetation, die auch aus dem Wasser herausragt. Dass deshalb  z.B. am Sausenheimer Graben vor der Unterquerung der Hauptstraße keine Libellenfauna möglich ist, versteht sich daher von selbst. Allzu gründliche Reinigungen der Gewässer (Ausbaggern!) verhindern das Aufkommen von Libellen. 

Von den etwa 85 Libellenarten, die in Deutschland vorkommen, konnten wir am Landgraben 2018 außer der Gebänderten Prachtlibelle noch 3 weitere Arten feststellen  (BLOG 24.6.2018: Geotag der Artenvielfalt in Obersülzen). Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) und der Südliche Blaupfeil  (Orthetrum brunneum) konnten damals von Teilnehmern fotografiert werden (siehe BLOG). Außerdem bestimmten die Teilnehmer noch die  Große Königslibelle (Ana imperator):

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Quartl CC BY 3.0 (Wikipedia)

Bei einer durch das Landesamt für Umwelt durchgeführten amtlichen Gewässergüteuntersuchung im Jahr 2012 wurde neben der Larve der Gebänderten Prachtlibelle auch eine Larve des Spitzenflecks  (Libellula fulva) gefunden.

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Christian Fischer CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)

Alle Libellenarten stehen unter Naturschutz.

Bei der letzten Untersuchung  (2017) war dies nicht mehr der Fall. Der Landgraben  verfehlt  immer noch, wie  alle anderen Bäche in der Vorderpfalz  die von der EU vorgegebenen Gewässergütekriterien. Hoffen wir, dass das beabsichtigte Gefahrgutreinigungslager in Grünstadt sich nicht auf die Wassergüte des Landgrabens auswirkt und der Landgraben eine Oase in der Folienwüste des Spargelanbaus bleibt.

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F. Sauer

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B. Haas

Text: B. Haas

 

Warum Pandas Handstand machen – ein zoologisches Schmunzelkabinett

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Da die Zeit der Gabentischbeschickung nicht mehr allzu fern ist, möchte der Anregungsservice unserer kleinen Naturschutzgruppe die Aufmerksamkeit lenken auf ein kleines, im höchsten Maße amüsantes und des Nachdenkens wertes Buch lenken, das – fundiert mit einer im Anhang befindlichen umfangreichen Literaturauswahl – die ungeheure Vielfalt der tierischen Verhaltensweisen anspricht.

 Tiere sprechen mit ihrem Körper. In Panama gibt es Frösche, die – wie Blücher mit seinem Vorwärts-Degen – den anderen Fröschen mit Vorder- und Hinterbeinen die von ihnen gewünschte Richtung anzeigen.

Tiere singen, trauern, spielen, sind untreu, sind homosexuell, sind sozial, pädagogisch, reisen gern, freuen sich des Lebens – und einige von ihnen sind kaltblütige Massenmörder – wenn auch unsere moralischen Kriterien hier nicht greifen, geschweige denn die Dimenionen, die wir Menschen auszufüllen versuchen.

Es gibt Tiere, die sich im höchsten Maße parasitär verhalten, wenn auch hier unsere Spezies unübertroffen bleibt, indem sie Exemplare hervorbringt, die am Tag 20.000 Euro verdienen und mit einem Federstrich mal 12.000 Menschen entlassen, wenn sich ihre wirtschaftlichen Größenphantasien als sinnfreie Luftblasen entpuppen.

Die Aneinanderreihung der vielen Merkwürdigkeiten aus dem hochkomplexen Beziehungsgeflecht im Reich der Tiere, löst im Leser das Vergleichen mit uns Menschen, die wir der gleichen Gattungsgruppe angehören, geradezu heraus. Und da die meisten Vergleiche hinken, wenn sie nicht in den vielfältigen Gegebenheiten und Notwendigkeiten eines Zusammenhanges – hier des ökologischen – gesehen werden, sollten sie so stehen bleiben. Sinn des Buches ist es, unseren Sinn  und unsere Bewunderung für die unendliche Vielfalt der Ausdrucks- und Verhaltensweisen unserer Tierwelt wieder ins Bewusstsein zu rufen.

In unseren modernen Zeiten, in denen die Vielfalt der menschlichen Verhaltensweisen unablässlich und immer druckvoller – meist aus marktökonomischen Gründen – den Versuchen von Standardisierung und Vereinheitlichung mit dem Ziel des marktkonformen Menschen ausgesetzt ist, lösen diese Ergebnisse aus der Verhaltensforschung der Tiere nicht nur Schmunzeln sondern auch Nachdenken aus.

Auch als Vorlesegeschichten-Fundus für neugierige Kinder ist das Buch sehr zu empfehlen.

Leider nur noch gebraucht für schmale €  zu erstehen: 

ISBN 978-3-550-08692-2