Nun ist er endlich fort

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Wer hätte das noch erwartet? Nach langen Monaten grau-kalter Witterung ist er, der Winter, nun endlich auf magische Weise für tot erklärt worden.

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In Feld und Flur tut sich nun etwas. Aber wer meint, dass es sich hier um eine fröhliche Zusammenkunft zum Zwecke eines fröhlichen Winteraustreibens handelt, …

 

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… der irrt sich sehr.

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Hier wird intensiv frühgezwiebelt und gespargelt auf Teufel komm raus, um die Zeit, die der Winter gekostet hat, wieder herein zu holen.

Aus den Niederungen des vorderpfälzischen Gartenlandes zieht es die Agrar-Produzenten verstärkt in unsere Gefilde. Soll die Produktion ausgeweitet werden? Fehlt es den vorderpfälzischen Böden inzwischen an Kraft und Saft?

Wie entwickeln sich eigentlich Böden, die jahrzehntelang intensivst mit teilweise zwei Ernten im Jahr bewirtschaftet wurden? Wann ist der Zeitpunkt für den Kollaps eines solchen Bodensystems gekommen?

Aber wie so oft naht Rettung aus den Vereinigten Staaten mit seinen gentechnisch optimierten Saaten, die nun in den USA völlig risikofrei eingesetzt werden können.

US-Präsident Obama hat am 26. März 2013 ein Gesetz – gewissermaßen eine Lex Monsanto – unterzeichnet, mit dem Zusatz, „ dass Gerichte den Vertrieb und Anbau von genmanipulierten Saatgut auch dann nicht mehr verhindern können, wenn Zweifel an der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit besteht. Voraussetzung ist, dass das Landwirtschaftsministerium den Anbau genehmigt hat.“ (Quelle: hier und hier)

Und wie wir die EU kennen, wird sie versuchen, diese Prozedur auch für uns heilsam werden zu lassen.

Noch ist es nicht so weit. Freuen wir uns an den Bildern, die uns der heimische Frühling beschert.

 

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Ohne Alternative?

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Das heißt ja heute so: Bankenverluste zahlt der Steuerzahler – alternativlos; Einsatz von Soldaten in exotischen Ländern – alternativlos; Einsatz von Herbiziden – alternativlos …

Die Suche nach anderen Lösungsmöglichkeiten gilt schon als visionäre Utopie. Und wie sagte schon der alte Altbundeskanzler Schmidt: „Wenn Sie Visionen haben, gehen sie zum Arzt.“

Nun haben sich Agrarwissenschaftler an der Marsden-Farm der Universität Iowa – also in Monsanto-Land – daran gemacht, Alternativen zum alternativlosen Einsatz von Herbiziden zu erproben und die Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht.

IOWA, wikipedia commons

In dieser Feld-Studie wurden von 2003 – 2011 verschiedene Anbauweisen untersucht:

  1. Typischer Mittelwest-Anbau von Getreide und Sojabohnen im jährlichen Wechsel unter Einsatz von Herbiziden.
  2. Dreijähriger Fruchtwechsel von Getreide, Sojabohnen und Hafer.
  3. Vierjähriger Zyklus von Getreide, Sojabohnen, Hafer und Alfala.

In den längeren Zyklen wurde Viehdung als Düngemittel eingesetzt.

Bild: PLOS

Die Ergebnisse waren erstaunlich:

  • Die längeren Fruchtwechsel erbrachten höhere Erträge von Getreide und Soja.
  • Der Einsatz von Herbiziden und nitrogenen Düngemitteln wurde um 88 % reduziert.
  • Die toxischen Mengen im Grundwasser wurden um das 200fache gemindert.
  • Die Profite verminderten sich um keinen Cent.

Einer der Autoren der Studie, Adam Davis, vom U.S.D.A.’s Agricultural Research Service, einer staatlichen Institution, sagte:

„Wir haben nichts anderes gemacht als die alten Iowa-Farmer früher und fanden dabei heraus, dass wenn wir die natürlichen Kräfte nicht bekämpfen, dann helfen sie uns: Insekten, Nage- und andere Tiere machen ihre Arbeit, indem sie Unkräuter und ihre Samen fressen.

Tröstlich: Wenn unsereinen mal wieder die Vision einer weitgehend pestizidfreien Landwirtschaft und seiner Früchte überkommt, dann müssen wir nicht sofort zum Arzt rennen – einfach noch einmal in der Studie nachlesen – und die Alternativlosigkeit hat ein wenig von ihren Schrecken verloren.

FÜRCHTET EUCH NICHT!

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Obersülzer Bürger (O.B):

Ich habe da mal eine Frage zu Ihren Pflanzengiften.

CAMPOFREE-Sprecher:

Fragen Sie, fragen Sie! Wir von CAMPOFREE, einem der weltweit größten Produzenten von Herbiziden ( von Pflanzengift reden wir eigentlich ungern ), sind immer bereit, Fragen zu beantworten.

O.B:

Wir räumen jedes Jahr bei uns auf, die Gräben, die Ackerraine und so. Und da haben wir im Frühjahr einen geleerten Glyphosat-Kanister gefunden. Schauen Sie mal auf dieses Etikett, welche Warnungen da ausgesprochen werden. Das ist doch ein gefährliches Zeug, das da auf die Felder und Pflanzen gespritzt wird.

CAMPOFREE:

Na ja, Sie kennen das doch von den Beipackzetteln zu Medikamenten. Da stehen auch immer alle Nebenwirkungen drauf, die niemals eintreten werden. Wenn nur einer mal seinen Finger in Glyphosat steckt und ableckt, dann haben wir unter Umständen gleich eine Millionen-Dollar-Klage am Hals. Alles schon da gewesen. Das schmälert – wenn wir verurteilt werden sollten (kommt aber praktisch nie vor!) – unsere Rendite. Und das können wir gegenüber unseren Aktionären nicht verantworten.

Ansonsten besteht gar KEIN GRUND ZUR BESORGNIS.

O.B:

Sie können mir doch nicht erzählen, dass Glyphosat ohne Wirkung auf Getreide, Mais und Soja etc. ist. Das wird doch praktisch immer gespritzt – vor der Aussaat, kurz vor der Ernte und nach der Ernte.

CAMPOFREE:

Ja, das Austragen von Glyphosat soll doch auch Wirkung zeigen. Und dass es wirkt, sehen Sie doch schon daran, dass wir laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit seit etwa 1995 unseren Einsatz von 1400 Tonnen auf heute 5000 Tonnen fast vervierfacht haben. Gutes setzt sich halt durch. Und Sicheres ebenfalls.

Denn schauen Sie: Die deutsche Bundesanstalt für Risikoforschung (BfR) hält Glyphosat für eines der am besten untersuchten Pflanzenschutzmittelwirkstoffe (wie wir das am liebsten bezeichnen). Die EU hat eine Pestizid-Datenbank erstellt, welche für über 300 Lebensmittel die zulässige Glyphosatmenge (mg/kg) genau festlegt. Sie werden sehen, dass die meisten Lebensmittel Rückstände im Bereich von 0,1 – 0,5 mg/kg enthalten dürfen. Nun gut, für Ölsaaten und Getreide gelten geringfügig höhere Werte von 10 – 20 mg/kg.

So sorgfältig arbeiten wir, denn nicht nur bei uns arbeiten die BESTEN DER BESTEN DER BESTEN, SIR! in der Forschung, sondern auch in diesen deutschen Behörden. Nicht umsonst konnten wir die Unbedenklichkeit von Glyphosat so überzeugend nachweisen, dass die bisherigen Grenzwerte vor wenigen Monaten herauf gesetzt werden konnten. In diesem Jahr sollte eine Risikoüberprüfung stattfinden, aber wir konnten die Behörden dazu ermutigen, diese erste 2015 vorzunehmen.

Dazu müssen Sie wissen, dass die Pflanzenschutzchemiker-Community überschaubar ist:

Gemeinsamer Doktorvater hier, Bundesbruder da, Wechsel aus unserer Privatwirtschaft zu den überwachenden Behördeninstituten und umgekehrt – das ergibt einen regen Informations- und Erfahrungsaustausch. Dass wir es fast geschafft haben, eine ehemalige Mitarbeiterin eines großen Pflanzenschutzkonzerns direkt in den Verwaltungsrat der EFSA – die EU-Lebensmittelbehörde zu platzieren, spricht doch für die Qualität unserer Beratung. VERTRAUEN SIE UNS – WIR WISSEN BESCHEID!

O.B:

Ich lese gerade in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom 26.10.2012, dass viele Beikräuter mit 100 Unterarten inzwischen gegen Glyphosat resistent geworden sind.

CAMPOFREE:

Ja, daran können Sie das Wirken der Evolution in der Natur sehen. Immer ist sie uns einen Schritt voraus.

Doch wir empfehlen den Bauern, eine höhere Dosis von Glyphosat oder andere Wirkstoffe, z.B. 2,4-D beizumischen – und schon ist das Problem gelöst.

O.B:

2,4-D ? Ist das nicht ein Wirkstoff, der in Agent Orange, das große Teile von Nordvietnam im Vietnam-Krieg entlaubt hat, enthalten ist?

 

AP, File, 1966

CAMPOFREE:

Jetzt fragen Sie aber nicht mehr – jetzt behaupten sie einfach!

Und – Sie wissen doch: Auf die Dosierung kommt es an. Das ist doch in der Homöopathie genau so.

O.B:

Aber die hat nicht so gravierende Auswirkungen, wie es Glyphosat zu haben scheint.

Da müssen Sie sich nur mal die Studie, die im September 2012 im FOOD AND CHEMICAL TOXICOLOGY JOURNAL in New York veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse, die hier vorgestellt werden sind doch erschreckend:  200 Laborratten über ihre Lebenszeit beobachtet und gefüttert mit genmanipuliertem Mais und Roundup erkrankten an Krebs, verschiedenen Organschäden, hatten Fehlgeburten usw.

CAMPOFREE:

Ach, wissen Sie, untersucht wird viel. Kommt nur darauf an wie! Unsere EFSA – unsere European Food Safety Authority hat doch in ihrem Statement überzeugend dargelegt, dass viel zu wenig Versuchstiere an dem Versuch beteiligt waren.

O.B:

Aber Frankreich und Russland haben Glyphosat inzwischen verboten und in Bayern wird gewarnt vor der Verfütterung von Stroh und Mähgut, das glyphosathaltig sein könnte.

CAMPOFREE:

Frankreich und Russland greifen hier erheblich in den freien Welthandel ein. Das geht so natürlich nicht. Und wir werden unseren ganzen Einfluss geltend machen, da können Sie darauf vertrauen.

O.B:

Aber was FAKT, das Magazin vom MDR, am 14.8.2012 berichtete, wirkt auf mich nicht gerade Vertrauen erweckend.

Da stellt Prof. Monika Krüger, Mikrobiologin am Institut für Bakteriologie und Mykologie Leipzig, einen Zusammenhang her zwischen glyphosathaltigen Rückständen in Futtermitteln und dem massenhaften Sterben von Rindern. Außerdem hat sie den Urin von landwirtschaftfernen Menschen untersucht – und was fand sie da: Glyphosat.

Macht Sie das nicht nachdenklich.

CAMPOFREE:

Wissen Sie, ich werde ja nicht für Nachdenklichkeiten bezahlt. Ich werde dafür bezahlt, dass ich Vertrauen schaffe, Vertrauen in unsere sicheren und für den Menschen nicht schädlichen Produkte.

Lassen Sie sich nicht irre machen! FÜRCHTEN SIE SICH NICHT!

Und grüßen Sie mir Obersülzen, gutes Ackerland, gute Kunden da.

Taiga – du Schöne, du Arme

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Das ist die Vegetationszone der Taiga mit ihren borealen – ökologisch sehr empfindlichen – Wäldern,

 

Bild: G. Lenz

in denen sich Elch, Wolf, Vielfraß, Bison, Rentier und Karibu, Bären, Hirsch, Luchs, Fuchs, Hase, Marder, Otter, Biber, Stinktier, Flughörnchen, Streifenhörnchen, Eichhörnchen, Lemming und Kojote aufhalten  – wenn sie es denn können.

Pech für sie – denn zuerst lockt das Holz …

Bild: J. Fobister

… und dann der Ölsand, zu dem es auf 3sat umfassende Informationen gibt.

Welche Formen das in Alberta, Canada annimmt, dokumentiert mit aktuellen erschreckenden Bildern die Daily Mail.

Die Mayas haben vor 1100 Jahren ihre Zivilisation durch Unwissen zum Kollaps gebracht: Durch starke Rodungen haben sie Dürren verstärkt – und sich so die Lebensgrundlagen entzogen.

Heute wissen wir Bescheid über die Anfälligkeit von Ökosystemen – tragen somit eine größere Verantwortung und Schuld, wenn wir so handeln wie die unwissenden Mayas.

„Jeder ist an allem Schuld. Wenn jeder das wüsste, hätten wir das Paradies auf Erden.“     Dostojewskij

China bedroht Obersülzer Gärten

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Erinnert sich noch jemand an den Bundeskanzler Kiesinger, der während einer seiner Bundestagsreden laut  „China! China! China!!“ skandierte? Seit der Zeit wissen wir, dass aus Asien meist nichts Gutes kommt. Irgendwie unheimlich dieser Erdteil. Überall krabbelt und kribbelt Asiatisches heimlich still und leise.

Und macht sich nun – nach einer angemessenen Verzögerung – auch in Obersülzen bemerkbar.

Denn auch hier sind die rustikalen, robusten Bauerngärten weitgehend verschwunden – zu viel Arbeit und die Supermärkte sind so nah.

Der Garten wird nun gestaltet. Gartengestaltung ist aus den herrschaftlichen Barockgärten bekannt. Und so wird als ein gestalterisches Element eine in barocken Gärten oft benutzte Pflanze eingesetzt: der immergrüne Buchsbaum (Buxus sempervirens).

Bild: wikipedia:CC-Lizenz, Pestizid.de wikipedia

Gottes Wege sind unerforschlich, die Wege des globalen Handels auch. Jedenfalls richtet ein aus Asien eingeschleppter Geselle, der Buchsbaumzünsler, unter unseren Buchsgewächsen immensen Schaden an. Das tut er im Verein mit Pilzerkrankungen, die Triebe und Blätter befallen.

 

Bild: F. Sauer

Nun klingt „Zünsler“ so gar nicht asiatisch, denn „zünseln“ meint „flimmern, flackern“ und bezieht sich auf die Flugweise dieses Falters. Fest steht aber, dass er in Ostasien (Japan, China, Korea) beheimatet ist. Ab 2007 hat der Buchsbaumzünsler – infolge des internationalen Pflanzenhandels – von Süddeutschland und der Schweiz über Baden-Württemberg und Obersülzen nun bereits die Niederlande erreicht.

Der Buchsbaumzünsler sitzt bevorzugt unter Blättern, allerdings nicht unter Buchsbaumblättern. Die Weibchen müssen sich innerhalb von 8 Tagen gezielt die Buchsbäume zur Eiablage aussuchen – dann sterben sie. In Deutschland kommen die Falter auf 2 Brutzyklen.

Die aus den Eiern entwickelten Raupen durchlaufen ab Mitte März, wenn die Temperaturen konstant auf 7 Grad Celsius verbleiben, sechs bis sieben Larvenstadien. Im Winter überlebt die Raupe im Buchsbaum und frisst diesen kahl.

Bild:wipedia.CC-Lizenz, Tschoppi

Die Blätter verfärben sich zunächst hellbraun, dann fressen sich die Raupen auch in Rinde und Zweige hinein.

Bild:wikipedia.CC-Lizenz, Hungchaka

Und so endet ein barockes Gestaltungselement.

Wie man den zünslerischen Biestern zu Leibe rücken kann, wird widersprüchlich behandelt.

Eine Empfehlung: die Pflanze mit Stumpf und Stiel heraus reissen und verbrennen.

Eine andere Empfehlung für den, der optimistisch an seinem Buchsbaum hängt: die biologische Lösung.

In China gilt der Buchsbaum als Symbol für langes Leben.

Obersülzer Senioren bei Bach und Baum

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Auch in diesem Jahr veranstalteten wir von „Bach und Baum“  einen Nachmittag für die Obersülzer Senioren, von denen etwa 30 unserer Einladung folgten.

In diesen unruhigen und unsicheren Zeiten sehnt sich ein jeder nach Beständigkeit.

Und einer der beständigsten, zähesten Überlebenskünstler über Millionen von Jahren ist der Ginkgo ( ginkgo biloba ), an dem sich schon Dinosaurier schabten. In der Eiszeit fast ausgestorben, fand der Baum eine Überlebensnische in China, breitete sich wieder aus – und fand auch in Obersülzer Gärten ein stilles Obdach.

Bernd Haas sprach über die Geschichte, seine Verbreitung und auch über die Aufnahme des Ginkgos in den literarischen Kanon unseres Dichterfürsten Goethe, der den geheimen Sinn des zweilappigen einen Gingko-Blattes einer ferner Geliebten in einem Gedicht zu entschlüsseln versuchte.

Was die Klimakatastrophe der Eiszeit nicht geschafft hat, haben auch die Wahnsinnigen nicht geschafft, die befahlen, Hiroshima mit der ersten Atombombe auszuradieren.

Ein Gingko-Baum hat das Inferno von tausenden von Hitzegraden überstanden und wächst heute noch – ein Symbol der Hoffnung auch in unseren katastrophisch gefärbten Zeiten.

Über Millionen Jahre gelebtes Leben und dessen Geheimnis entlockte pharmazeutische Erkenntnisse berichtete Gabi Müller – dabei ließ sie nicht unerwähnt, dass es gelungen sei, aus dem Ginkgo Wirkstoffe zu extrahieren, die u.a. die Gehirntätigkeiten des Gedächtnisses – leider nicht ohne eigene Arbeit – anzuregen vermögen.

Wenn einer ein langes Gedächtnis hat – dann doch der Ginkgo-Baum.

Das Langzeitgedächtnis der anwesenden Senioren erprobte Friedel Sauer, indem er mit Bildern an ein 60jähriges Jubiläum erinnerte: Glockenweihe von 1952.

Die anwesenden Senioren bewiesen ihr intaktes Langzeitgedächtnis durch lautstarkes Identifizieren der abgebildeten – naturgemäß – noch sehr jungen Personen.

Es wäre reizvoll gewesen, zu probieren, ob ein kleines, weiß gekleidetes, sehr junges Schulmädchen – das zu dem Anlass alle (?) 32 Strophen von Schillers „Glocke“ rezitierte – heute als anwesende Seniorin noch dazu imstande gewesen wäre.

Hört ihr’s wimmern hoch vom Turm?

Das ist Sturm!

Rot wie Blut

Ist der Himmel,

Das ist nicht des Tages Glut!

Passt doch!

Die Tour´Horizon von der Eiszeit und Hiroshima über Obersülzer neue Nachkriegsglocken (sind die alten eingeschmolzen worden? – und – wenn ja – wozu?) ging weiter mit Ulrich Heinzes Bericht über das Auf und Ab der Schwalbenpopulation in seinen hunderten von ihm angelegten Nestern.

Wären in den vergangenen Jahren die rückkehrenden Schwalben stets rückläufig ( wg. Italiens Vogelfängern, Pestiziden in den Ankunftsländern usw.) – so wären doch in diesem Jahr mehr Brutpaare zu sehen gewesen – so Ulrich Heinze.

Sollte man ihnen Ginkgo-Blätter in die Nester legen?

Mit bescheidenen menschlichen Mitteln kann auch Achtung für beständiges, zähes Ginkgo-Bemühen ausgedrückt werden.

Ulrich Heinze hat – immer nach dem Prinzip der Hoffnung – an brutstrategischen Stellen viele marderresistente Brutröhren für Steinkäuze angebracht – Jahr für Jahr – meist vergebens. Denn der Steinkauz braucht alte Bäume, ausgehöhlte, ruhige …

Aber die fallen der Verkehrssicherungspflicht zum Opfer – wenn sie im Zuge von Flurbereinigung und Co. nicht schon längst ausgeräumt sind.

Aber – ausgerechnet an einem einsamen Baum in der Gemarkung Obersülzen – hat es Steinkäuzen gefallen, eine der – mit zugegeben wenig Hoffnung angebrachten Brutröhren – zu besetzen.

Und dafür wurde Ulrich Heinze ein „Orden“ verliehen, der wenigstens symbolisches Gewicht hat – ein Griechenland-EURO.

(Das passt doch – die Eule ist in Wirklichkeit ein Steinkauz. Wer hat da wem über die Zeiten geholfen, aus Steinkäuzen Eulen zu machen? Lassen wir die Steinkäuze ruhig bei uns!)

Jede Tour endet einmal – und so provozierte Friedel Sauers Bild des den Buchsbaum angreifenden Buchsbaumzünglers bei einigen Anwesenden Wiedersehenskummer.

Bei einer Reise von der Urzeit bis ins Obersülzen jüngsten Datums wird wenigstens ein Lunchpaket benötigt – und dafür sorgte eine – wie meist – im Verborgenen arbeitende Geselligkeit von lustigen Frauen mit Kuchen und neuem Wein, Zwiebelkuchen und Schnittchen.

 

„Machet euch die Erde untertan!“

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Obersülzen kann nun leider nicht das Dorf am Rande des Imperiums sein, dessen Einwohner – wie Asterix und Obelix den Römern – einen listigen, erfolgreichen Kampf um die Lösung des Konflikts zwischen Nachhaltigkeit in der Natur und Renditeerwartung ausfechten.

Wir liegen tief im Meer der Abhängigkeiten, umtost vom Orkan der Informationen über Kosten und Nutzen, Finanzchaos und -manipulation, Umweltvergiftung und -zerstörung.

Und doch gibt es die leisen, nachdrücklichen Stimmen, die unbeirrt zweifeln an dem gültigen Dogma, das die Natur dumm sei und wir Menschen – als die Krone der Schöpfung – befugt sind, dieser Dummheit den Garaus zu machen.

Seit 1994 hat der Forstwirt Dr. Lutz Fähser ausdauernd für die Idee gearbeitet, dass naturnahe Waldnutzung

  • langfristig produktiver und risikoärmer als die geltende Waldnutzung ist,
  • dass man ein Ökosystem nicht überfordern darf,
  • dass minimaler Einsatz der vernünftigere ist.

Praktisch bewiesen haben er und seine Mitarbeiter das am Lübecker Stadtwald, der bereits seit ca. 1100 n. Chr. existiert. (Nachzulesen hier!)

Gegen die Beimischung von nordamerikanischen schnellwüchsigen Douglasien in alte Buchenwälder, wie sie im Spessart stattfindet, führt er an,  dass so eine Beipflanzung in einem System, dass 1000 Jahre besteht, Stress und Unruhe bedeutet. Ein Wald, den man zu sehr pusht, kollabiert – so etwas sei betriebswirtschaftlicher Unsinn.

Bereits 2007 hat das Bundeskabinett die „Nationale Biodiversitätsstrategie“ verabschiedet, nach der bis 2020 10% des öffentlichen Waldes aus der forstlichen Nutzung zu nehmen sind. Das Ergebnis würde interessieren.

Eine andere Stimme war auf der diesjährigen Nobelpreisträgertagung in Lindau zu hören.

Der Chemie-Nobelpreisträger von 1988, Hartmut Michel, will den „Unsinn mit dem Biosprit“ nicht länger unterstützen.

Er bemerkt, dass die Pflanzen, aus denen Biosprit gewonnen, weniger als ein Prozent der Energie des Sonnenlichts in Form von Biomasse speichert. Wird daraus Biodiesel gemacht, sinkt der Anteil auf weniger als ein Promille. Kommerziell erhältliche Photovoltaik-Zellen wandeln bis zu 20 Prozent der Sonnenenergie in elektrische Energie um.

Leider hat die Herstellung von Biokraftstoffen über alle Parteien hinweg eine starke Lobby, weil mit ihr vor allem Subventionen für die Landwirtschaft verbunden sind.

Da sind wir wieder beim Pyrrhus-Sieg des ausschließlichen Renditedenkens als ultima ratio.

Augenfällig wird das ganz besonders, wenn man durch Regionen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen fährt. Hier „vermaisen“ ganze Landstriche. Mit schnell wachsendem Mais werden die Biogasanlagen bestückt, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit einem Sonderzuschlag bedacht werden. So hat sich die Anbaufläche für Mais in 10 Jahren von 1,5 auf 2,5 Millionen Hektar ausgedehnt. ( Vom SVO-Maislabyrinth wollen wir in diesem Zusammenhang nicht reden.)

Was die Wildschweine freut – ihr Bestand ist auf 800.000 Tiere angewachsen. Sie fühlen sich im Maisdickicht gedeckt.

Dass die Zunahme der Massentierhaltung für den Maisboom (und den damit zusammenhängenden Preisanstieg) mit verantwortlich zeichnet, sei nur erwähnt.

Nun wird allenthalben diskutiert – bei Regierung und Naturschutzverbänden – , welche Stellschrauben sinnvoll sind, die den Zuwachs der Monokulturen eindämmen.

Und wieder zeigt sich, dass ein Eingriff in natürliche Strukturen zwei andere notwendig macht – ein immer währender Sisyphos-Kampf, der letztlich nicht zu gewinnen ist.

„Machet euch die Erde untertan“ – war das in Genesis 1,28  so gemeint: Kampf gegen die Natur, Kampf um´s Überleben, Kampf um die Maximierung der eigenen Chancen?

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