Es ist bekannt, dass unsere kleine Naturschutzgruppe ein interessiertes und wachsames Auge auf das Schleiereulenleben im Kirchturm hat. Im auf einem Nachbarhaus installierten Eulenkasten wird das Leben und Treiben der Eulen sogar rund um die Uhr videoüberwacht; so sind wir über den Wachstumzustand der Eulenbrut bestens informiert.

Der Kasten im Kirchturmdach wurde Ende Mai kontrolliert. In einer Ecke des Kastens war ein kleines Knäuel mit mindestens fünf Küken zu erkennen, zusammen gekuschelt in einer Wärmepyramide, die die Küken einnehmen, wenn die Elterntiere abwesend sind.

Für den 6.6.2020 war die Beringung der kleinen Schleiereulen festgesetzt, durchgeführt von Jörn Weiß, unserem von der Vogelwarte Radolfzell lizensierten Beringer.

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Durch Dohlen herein getragenes Reisig, war der Nistkasten in zwei Hälften geteilt. In jeder verbarg sich eine Wärmepyramide von Eulenküken.

Schließlich wurden sieben kleine Eulen geborgen.

Wenn kräftige Männer kleine Eulenküken in ihre Pranken nahmen, droht diesen zarten flaumigen Wesen keinerlei Gefahr. Die etwas älteren Eulen lassen sich in die Hand nehmen, die jüngeren stellen sich einfach tot und bleiben auf dem Rücken liegen, bis sie beringt werden.

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Frisch beringte Schleiereulenküken müssen traditionell eine ausgedehnte Parade über sich ergehen lassen.

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10 Tage später brachten zwei Kinder eine der kleinen Schleiereulen in einem Karton herbei. Sie hatten sie unter dem Flugloch des Kirchdaches gefunden, offensichtlich war sie herunter gefallen.

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Sie wurde wieder zu ihren Mitküken gesetzt, die in zwei Wärmepyramiden im Nistkasten hockten – setzte sich jedoch sofort wieder auf Reisig unweit des Fluglochs – offensichtlich eine abenteuerlustige kleine Eule.

Im Kasten des benachbarten Hauses werden jetzt 6 Eier bebrütet. Da sich die Paarungsaktivitäten der beiden Alten – wie die Kamera zeigt – reduziert haben, gehen wir davon aus, dass keine weiteren Eier gelegt werden.

Zwei Bruten – sieben geschlüpfte und sechs noch im Ei befindliche – das ist eine stolze Reproduktionsrate für ein Schleiereulenpaar.

Text: Wünnenberg