Wer in den Monaten Juni und Juli  am  Morgen oder in der Abenddämmerung am Landgraben spazieren geht, kann diesen Tagfalter aus der Familie der Edelfalter erleben: – das Schachbrett (Melanargia galathea). Von Blüte zu Blüte flattert er, um Nektar zu tanken, am liebsten auf violetten Blüten, auf Flockenblumen,  Skabiosen,  Kratzdisteln u.a. 

Wer  ihn fotografieren will, muss  warten, bis er sich zufällig auf einer Blüte niederlässt.

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Beim Geotag der Artenvielfalt  in Obersülzen hat G. Turznik nach Vorbereitung  dieses Foto geschossen. 

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Nur im  Juni und Juli ist die Flugzeit dieses Augenfalters. Er tanzt nur einen Sommer könnte man sagen. Denn die längste Zeit seines Lebens als Falter (Imago) verbringt er verborgen,  als Raupe oder als Puppe.  

Der Schmetterling ist in Deutschland noch vergleichsweise häufig. Doch seine Lebensräume – nährstoffarme, blütenreiche Wiesenbereiche, die nicht vor Ende Juli gemäht werden –  sind  durch die intensive Landwirtschaft bedroht. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd, sind solche Wiesen in Deutschland leider immer seltener geworden.

Durch die  Renaturierung des Landgrabens 2008  haben sich in Obersülzen Wiesenstandorte entwickelt,  wo genügend Blüten und Gräser vorhanden sind. Sie werden abschnittsweise, aber nicht vor Ende Juli gemäht und sind  eine gute Voraussetzung für den Fortbestand der Falter. Die Weibchen lassen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, wo sie sich an Gräsern zu Larven, Raupen und Puppen entwickeln können, um im Mai des folgenden Jahres wieder als Falter schlüpfen zu können. 

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„Zarte Schönheit in schwarz-weiß“ nennt der Nabu den Schmetterling des Jahres 2019. Der Artname galathea erinnert an die schöne Nymphe, die vom einäugigen Riesen Polyphem begehrt wurde. Und die Schönheit der Galathée  in der Operette von Franz von Suppé ist so überwältigend, dass Pygmalion sie vor den Augen der anderen  verbergen muss. 

In Obersülzen hatten sich gar 5 solcher Schönheiten auf einer einzigen Distel versammelt.

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Die Aufnahme entstand am 21.6.2009 um 9.25  Uhr auf einem brachliegenden Acker. Heute verläuft dort die Stumpfwaldstraße. Eine  schöne Galathée wird man jetzt hier vergeblich suchen….

Wenn jedoch die Eh-da-Flächen  erst  Ende Juli oder auch versetzt gemäht würden, hätten Schachbrettfalter auch in Zeiten von Intensivlandwirtschaft eine Chance zur Vermehrung.  Wie es nicht sein sollte, demonstrieren  alljährlich die Verbandsgemeindewerke durch die frühe Totalmahd beim südlichen Regenrückhaltebecken.

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Text: Bernd Haas