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Soviel Natur war noch nie! Und das alles in einer Tageszeitungsausgabe!

Peter Wohlleben, der „Waldmensch“, bekommt ein Personality-Magazin, in dem er „Phänomene der Tier- und Pflanzenwelt, verständlich, gehaltvoll und unterhaltsam“ erklären soll – Startbeginn Frühjahr 2019.

Bereits 2016 war eine starke Dreier-Frauengruppe unserer kleinen Naturschutzvereinigung „Bach und Baum Obersülzen“ beim „Waldmenschen“ vor Ort.

Der Bereich „Wald“ ist also durch Peter Wohlleben kompetent und wirksam abgedeckt.

Eine Wüste in Ägypten soll ein blühender Sehnsuchtsort werden.

Und dazu noch ein Hinweis auf SPEKTRUM.DE mit dem Thema „Mit grünen Oasen gegen die Wüste.“

Aus der Einsicht, dass in sich langsam verwüstenden Landstrichen das Pflanzen von Bäumen zwar nicht grundsätzlich falsch, aber letztlich nicht zielführend ist, kommt der in dem Artikel sehr spannend geschilderten Entdeckung von Tony Rinaudo, einem australischen Missionar in Niger, eine große Bedeutung zu. Rinaudo entdeckte, dass es dort Millionen von Stümpfen gefällter Bäume gibt, die noch über ein intaktes Wurzelwerk verfügen – ein unsichtbarer Wald unter der Erde. Die Ergebnisse seiner Kämpfe um die „Hebung“ und Nutzung dieses unterirdischen Waldes gegen eine von den Kolonialmächten überkommene baumfeindliche Mentalität und gegen die Traditionen der einheimischen Bevölkerung lassen sich inzwischen auf Satellitenbildern bewundern.

Was unseren kleinen Ort Obersülzen anbelangt, verfügen auch wir – und das inmitten einer voll agrarisch genutzten Kultursteppe – durchaus über einige ökologisch wertvolle Hotspots.

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Bereits 1986 wurde die berühmten Obersülzer Wurzelkläranlage – ein Novum der Abfallwasserklärung auch in Deutschland – vom damaligen Umweltminister Töpfer eingeweiht.

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Nun gut – viel ist davon nicht übrig geblieben als eine Brennnesselproduktionsanlage, mit der die Verbandsgemeinde wohl nichts anzufangen weiß. Immerhin ist sie inzwischen die Schutzzone für ein Sprung Rehe.

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In jahrzehntelanger Arbeit hat Ulrich Heinze eigeninitiativ entlang des östlichen Landgrabens ein wahres Amazonien geschaffen.

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Die Renaturierung des Landgrabens 2008 war eine sinnvolle Investition in die Restnatur von Obersülzen.

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Während wir mit angemessener Ruhe – aber nicht zufrieden – zurückgelehnt auf die tagesaktuellen globalen und lokalen aufbauenden Bemühungen in unserer Umwelt blicken, werden wir von einer Meldung der lokalen Presse geschockt.

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Unsere Nachbarstadt Grünstadt hat für ihr hektargroßes Neubaugebiet die Anlage von Schottergärten verboten.

Schottergärten? Die sind doch auch in unserem Neubaugebiet zunehmend entstanden. Da sind doch die Wegpunkte, in denen uns Unbehagen überkommt, aber wo wir uns letztlich sagen: „Die Geschmäcker sind halt verschieden.“ Ein ästhetisches Problem also?

Schnell googeln: 

Stichwort: Schottergärten. = 35.700 Ergebnisse

Stichwort: Schotterwüsten =   8.370 Ergebnisse

Da scheint bei diesem Thema einiges los zu sein – und das fast überall:

Bottrop, Paderborn, Hagen, Wuppertal, Papenburg, Olten in der Schweiz und und und … und jetzt noch Grünstadt.

Es gibt Preise für die schönsten „Gärten des Grauens“ – den TerrorGardeningAward.

Dem Ort Hörstel (könnte auch jeder andere Ort sein, so ist ausdrücklich vermerkt) wurde – initiiert durch den Biologen Ulf Soltau – von einer sachkundigen Jury ein Preis für die schönsten „Gärten des Grauens“ verliehen und diese Auszeichnung so begründet:

„Stadt Hörstel, 1991 noch Gewinner der Goldmedaillen im Bundeswettbewerb `Unser Dorf soll schöner werden ` beweist … mit viel Engagement und Gestaltungswillen, wie man seine Auszeichnung würdigt und verteidigt. Einladend saubere Leerflächen motivieren heute zum Verweilen und zum sozialen Austausch mit Einheimischen (die man unkompliziert mit einem Büschel Unkraut aus ihren Häusern lockt). Störender Igelkot, nervtötendes Grillengezirpe und Vogelgezwitscher sind dabei glücklicherweise auf ein Minimum reduziert .“

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Auf YouTube gibt es einen Lobgesang auf den „Schottergärtner“.

Die „Allgemeine Zeitung Mainz“ äußert sich zu „Keine Schottergärten – mehr Grün auf Dächern“

Die „Bildzeitung“ : „Im Saarland gibt es immer mehr Steinwüsten“ –

Und der „SR“ strahlte eine Sendung aus: „Vorhof des Grauens – Braucht es Steinwüsten in deutschen Vorgärten?

Da scheint sich eine energische Front gegen die zunehmende „pflegeleichte“ Wüstenbildung durch Schotter aufzubauen. Und da so ein Phänomen nicht nur ein ästhetisches ist, sondern auch ein eminent ökologisches, ändern Gemeinden einfach ihre Bauordnungen.

Können die Gemeinden das einfach? Das scheint ein weites Feld zu sein, denn in der Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO) vom 24.11.1998 findet sich nur ein dürres Paragräphlein:

§ 10

Höhenlage, Abfall- und Wertstoffbehälter, nicht überbaute Flächen

(4) Nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke sollen begrünt werden, soweit sie nicht für eine zulässige Nutzung benötigt werden. Befestigungen, die die Wasserdurchlässigkeit des Bodens wesentlich beschränken, sind nur zulässig, soweit ihre Zweckbestimmung dies erfordert.

… mal ganz abgesehen vom doch wohl gewichtigeren Grundgesetz-Artikel 14(2):

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Aber da betreten wir nun ein sehr sehr weites Feld.

Graue Schottersteine aus Indien und China – davon kann ganz sicher ausgegangen werden – sind nicht unbedingt Freudentrigger für`s Gemüt; sie spiegeln eher depressive Grundstimmungen und sind Indiz für individuelle Reinlichkeitszwänge.

Sie heizen das Mikroklima des Ortes ein, haben keinerlei Bedeutung für Pflanzenarten, Insekten, Vögel, Menschen.

Sie sind unzulässig, wenn sie auf mit Folie versiegelten, wasserundurchlässigen Flächen ruhen, siehe LBauO, § 10 (4).

Schottergärten bedürfen ab dem 3. Antilebensjahr liebevoller (paranoider?) Aufmerksamkeit. Da Leben sich nicht unterkriegen lässt, wird es erst langsam, dann immer intensiver zwischen all den indischen und chinesischen Steinen hervorlugen, dann -krabbeln – und spätestens dann wird`s arbeitsintensiv. Es sein denn, man wehrt sich mit der Giftspritze, die verboten ist, gegen all das keimende Leben – und dann ist man als Besitzer eines so schönen Steinhaufens nun gar kein ordentlicher Bürger mehr – was argumentativ schwer zu halten ist, wenn man sich all die „pflegeintensiven“ hektargroßen plastifizierten Spargelflächen in der Obersülzer Gemarkung ins Bewusstsein ruft. What shall`s!

Terrorgefahr besteht, wenn nächtens bei Nieselregen ein unordentlicher Bürger handweise Wildkräuter und anderes Samengedöns unauffällig auf indisches und chinesisches Steingut herabrieseln lässt.

Nun ist es ja nicht so, dass wir´s als kleine lokale Naturschutzgruppe bei all diesen negativen Einwänden und Schmutzeleien bewenden lassen. Wir stellen gern unsere Expertise kostenlos zur Verfügung für jedweden ökologischen Fortschritt in unserem kleinen Dorf Obersülzen – der kleinen „Perle der Unterhardt“.

Wie zu hören ist, soll unser Dorfgemeinschaftshaus um-, an-, zwischengebaut werden. 

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Vielleicht wirkt es ein wenig bemüht, dass wir zurück ins Altertum gehen und die schon damals Aufsehen erregenden und bis heute staunenswerten hängenden Gärten der Semiramis erwähnen, aber als kleine Vorstellungshilfe hätten wir sie doch gern platziert.

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In allen Weltstädten, die auf ökologische Zeichen setzen wollen, gibt es inzwischen die begrünten Fassaden – in Paris, in Barcelona, Reykjavik …

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… Wohlgefühloasen für tausende Bewohner.

Nehmen wir doch mal dieses Versprechen in ernsthaftes Erwägen: Hydrokultur – automatisch bewässert, pflegeleicht … große Ausblicke: Pflanzsysteme in Stadt- Freiland- Gebäudebegrünungen. Nehmen wir doch diese Werbung zur Kenntnis – und träumen mal ein wenig.

Und für unser Dorfgemeinschaftshaus könnte dann – andere Lösungen sind denkbar – so etwas herauskommen.

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Man stelle sich nur einmal vor, welche Marketingeffekte sich für unser Dorf durch so eine Maßnahme erzielen lassen. 

Jeder, der unser Dorf im Auto befährt wird die 30-km-Zone nicht nur beachten, er wird stehen bleiben, sich erfreuen, sein Erlebnis verbreiten und so immer fort … (ab hier kann jeder weiterspinnen).

Greta, bis es soweit ist – bleib sitzen!

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