Bis in diese Novembertage hat sich das Laub auf den Bäumen gehalten. Ungewöhnlich eigentlich. Die Tage werden kürzer. Zeit also, endlich den angesammelten Lesefundus zu sichten und in Angriff zu nehmen.

Beim hiesigen Buchhändler des Vertrauens fiel dem an der Tierwelt Interessierten beim Stöbern ein kleines, hübsch gestaltetes Buch auf, das wie geschaffen schien, als Gute-Nacht-Lektüre zu dienen. 

Dem Titel und dem Inhaltsverzeichnis ist zu entnehmen, dass sich um und mit „Ameisen“ bis „Zitteraalen“ ein bunter Strauß von ernsten Informationen und kurzweiligen, lustigen Tierweltgeschichten zu entfalten verspricht.

Kurzweilig:

„Eine objektive Kuh gibt es nicht“, aber es gibt Einzelkühe. Wer weiß den schon, dass Kühe, denen man Namen gibt – wie die britischen Milchbauern einer Untersuchung das tun – im Jahresdurchschnitt 258 Liter mehr Milch gaben, wie ihre namenlosen Gefährten?

Quelle: keine-gentechnik.de

Wer weiß denn schon, dass – wie der Naturforscher Josef Reichholf feststellt – sich Rabenvögel, Enten und viele andere Vögel inzwischen viel lieber in den Städten als auf dem Lande aufhalten: „Die Dörfer verschließen sich der Natur, die Städte öffnen sich ihr.“

Wer weiß denn schon, dass Erdmännchen über ausgefuchste pädagogische Strategien verfügen? Ihren Jungen legen sie zuerst einen toten Skorpion vor, dann einen lebenden, dem sie aber den Giftstachel herausgerissen haben, und schließlich, wenn die Jungen die Erwachsenen lange genug beobachtet haben, wird ihnen lebende und kampffähige Beute vorgelegt.

Quelle: screenshot YouTube/Will Burrard-Lucas

A propos Obersülzer Frösche! Wer weiß denn schon, das die  winzigen Bromelienfroschweibchen ihre Eier, wenn sie von den Männchen befruchtet wurden, einzeln auf einen bis zu 20 m hohen Bromelienbaum herauf schleppen und sie in die halbröhrenförmigen wässrigen Blätter ablegen. Und das einige Wochen lang rauf und runter, um die Kaulquappen zu ernähren. Dabei fällt für den Bromelienbaum nährstoffreicher Kot ab – eine symbiotische Win-Win-Situation, wie der Ökologe Josef Reichholf befindet.

Quelle: farm8.static.flickr.com

Informativ, Nachdenken anregend und Augen öffnend:

Helmut Höge, Wissenschaftsjournalist, Biologe und Amateurforscher, bezieht sich immer wieder auf Naturforscher, Ökologen und Biologie-Wissenschaftler, die sich auch als „Amateure“ verstehen (im Sinne von „amator“: die lieben, ohne Gegenliebe zu verlangen). Wenn über den Zebrafisch allein im Jahre 2015 etwa 25.000 Studien veröffentlicht wurden, muss schon gefragt werden, welchen Nutzen aus diesem zur „Laborratte“ herunter gekommenen Fisch gezogen werden kann.

Es wird deutlich, dass Helmut Höge nicht diese „grobschlächtige Wissenschaft“ präferiert, sondern sich um die Erkenntnisse von Naturwissenschaftlern bemüht, die statt aus toten diese aus dem Leben der Tiere gewinnnen und zur Diskussion stellen: „Ihr erforscht den Tod, ich das Leben“ (Jean-Henri Fabre).

Des Nachdenkens wert ist, inwieweit aus dem Werk des Naturforschers Darwin nur das Paradigma der Entstehung vom Einzeller bis zum Homo Sapiens als „einzige“ Motoren der Evolution zufällige Mutation und Selektion in einem Kampf ums Überleben der Fittesten als Lehrbuchmeinung installiert wurde und zeitgleich erschienene Werke z.B. von Pjotr Kropotkin über die „Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich“ sich nicht im Bewusstsein der damaligen Wissenschaft wieder finden konnten. Fortschritt, Innovation, Konkurrenz, Eliminierung des Untauglichen waren die „Werte“ der damaligen Zeit des Imperialismus und Kolonialismus – und weit darüber hinaus bis in unsere Tage.

Heute jedoch stellt Lynn Margulis ihr in lebenslanger Arbeit und zunehmend akzeptiertes Konzept zur Diskussion, nach dem sich Leben auf diesem Planeten nicht im “Kampf ums Dasein” entwickelt hat, sondern durch Symbiosen von Einzellern und Bakterien.

Helmut Höge: „Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung“ kann für € 16,00 beim lokalen Buchhändler oder direkt beim Verlag mit gutem Gewinn erstanden werden.