Man kommt in Obersülzen „auf der Gass`“ oft mit jemandem ins Plaudern und erwähnt so nebenbei: „Wir waren gestern im SCHAU- UND SICHTUNGSGARTEN HERMANNSHOF“ – da unterbricht der Gegenüber schon: „Hä, wo wart ihr – was ist das denn?“

Bilder sagen mehr als Worte, also wird das Handy gezückt, die Foto-App geöffnet – und wenn der Gesprächspartner kein Ignorant ist (kann natürlich auch eine Gesprächspartnerin sein; die ist normalerweise weniger ignorant, weil in der Regel näher an der Natur), dann ist er/sie genauso fasziniert wie wir – eine starke Gruppe unserer kleinen Naturschutzgruppe.

Inmitten von Weinheim/Bergstraße dicht am Stadtinneren befindet sich ein 2,2 ha großes, 200 Jahre altes Gartenareal der Familie Freudenberg – seit 1983 der Öffentlichkeit und der Wissenschaft frei gegeben.

Da steh´n wir erst einmal stumm und versuchen uns in diesem Stauden-und Blumenmeer zu orientieren.

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Die Hilfe naht. Herr Luley, lebenslanger Freudenbergianer und Weinheimer nimmt uns unter seine energische Obhut.

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Als ob er gespürt hat, dass in unserer Gruppe verlehrerte Pflanzen- und Gartenfexe allzeit bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrung im tausendfältigen Sichtungsgarten zur Geltung zu bringen, setzt er erst einmal ein Stoppzeichen: „Was ich Ihnen sage, stimmt. Also bitte kein JA ABER!“

Stimmt, und das eine ganze lange Exkursion lang.

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Wie es sich gehört, wird zu Anfang das Alter geehrt.

Vor 130 Jahren nahm eine junge Freudenbergbraut aus ihrem Myrtenkranz einen kleinen Zweig, setzte ihn in den Boden und zog ihn auf. Seit dieser Zeit wird die Brautmyrte gehegt und gepflegt und in der kalten Jahreszeit sorgsam umbaut. Man sieht der alten Dame ihr hohes Alter zwar an, doch strahlt sie eine muntere Zähigkeit aus.

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Auch die uralten über Hundertjährigen Mammutbaum (120 Jahre), Platane (240 Jahre) und Gingko (120 Jahre) ließen uns Ältere hoffnungsfroh in die Zukunft blicken.

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Die stattliche Glyzinien-Pergola lebt bereits seit 85 Jahren und entstammt den ostasiatischen Breiten – von wo genau, erkennt man daran, ob sie sich links oder rechts gegen den Himmel windet.

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Die vielfältigen Tulpen sind ein gelungenes Beispiel für Integration, kommen sie doch aus so unterschiedlichen Vegetationszonen wie Afghanistan, Zentralasien und dem Mittelmeerraum.

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1500 qm Präriegarten lassen die Ahnung eines noch friedfertigen Nordamerikas aufsteigen, aus einer Zeit, in der die Menschen noch nicht über die Mittel verfügten, riesige Prärie-Landstriche in eine Agrarwüste zu verwandeln.

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Im Päoniengarten genossen wir stumm die farbenprächtige Aussicht.

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Es ist nicht möglich, in diesem kleinen Rahmen die ganze Pracht des Hermannshofes auch nur anzudeuten. Einfach hinfahren, staunen und genießen.

Herr Luley, der uns mit außerordentlicher Sachkenntnis führte und uns obendrein mit mannigfaltigen Gartentipps versorgte, zeigte uns am Ende, wo es lang geht.

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Bilder: H. Wünnenberg