Irgendwo zwischen Beteigeuze und Sirius ca. 1000 Lichtjahre entfernt kann eine sehr entwickelte Zivilisation die Raumzeit so krümmen, dass sich Wurmlöcher ergeben, in denen sich herrlich – in Überlichtgeschwindigkeit – hin und her switchen lässt.

w.wurmloch

Corvin Zahn, Institut für Physik, Universität Hildesheim cc-by-sa/2.0/de

Die benötigten ungeheuren Energien werden Schwarzen Löchern entnommen. In diesen Wurmlöchern sind seit bereits viele menschliche Berühmtheiten wie Elias, Moses, Romulus, Christus, Mohammed gen Himmel gefahren und haben sich während ihrer Aufenthalte bei dieser Zivilisation so segensreich ausgewirkt, dass die kluge Bewirtschaftung des Planeten in harmonischem Einklang mit dessen Natur und der des Kosmos als für die Gemeinschaft sinnstiftendes Prinzip gilt.

Insbesondere Christus machte bei seiner Himmelfahrt dort oben Station und vertrieb die Geldwechsler, Beutelschneider, Landräuber und Preisschildbesitzer aus den dortigen Tempelanlagen mit heiligem Furor, was schlagartig alle kriegerischen Auseinandersetzungen zum Erliegen brachte und in den dort lebenden Exoiden das Licht der Erkenntnis entflammte, dass nur uneigennützige Kooperation den Planeten erhalten und weiter entwickeln kann. Das ist nun bereits drei Mutationssprünge her.

Und der Exoid, der in seinem Gefährt hoch oben im Orbit über Obersülzen schwebt, verfügt deshalb für seine Erkundungsmission über außergewöhnliche Fähigkeiten. Während eine andere Art von Exoiden, die in der jüngsten Zeit über vielen französischen Atomkraftwerken gesichtet wurden, überprüfen sollen, ob die menschliche Spezies dabei ist, die Lebensgrundlagen des Planeten irreparabel zu beeinträchtigen, soll unser Exoid erkunden, ob die Daten und Fakten über Acker, Land und Erde Rückschlüsse auf deren Qualität möglich machen. Wie in einem Hologramm kann er alle Daten für seinen Auftrag sowohl mental als auch apparativ blitzschnell durchdringen und in den richtigen Zusammenhang bringen.

So kommt er ohne Anstrengung zu einigen für seinen Auftrag relevanten Daten:

– Weltbevölkerung: Vor 50 Jahren drei Milliarden, heute sieben Milliarden, 2050 neun Milliarden Menschen.

– Seit 1960: „Nahrungsmittelrevolution“ genannt „Grüne Revolution“ mit Industrialisierung der gesamten Nahrungsmittelproduktion und großflächigem Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Mineraldünger.

– Unter einem Hektar Bodenfläche leben 15 Tonnen Bodenlebewesen = Gewicht von 20 Kühen oder 1,5 Kilogramm pro Quadratmeter. Intensivnutzung und Verdichtung durch landwirtschaftliche Fahrzeuge beeinträchtigen bei 20 bis 25 % der Böden weltweit die Funktionsfähigkeit des Bodens und lassen ihn degradieren.

– In Europa wird vom Boden mehr Kohlenstoff aufgenommen als von Pflanzen. Pflügen und Ernten von Feldfrüchten beschleunigt die Freisetzung von Kohlendioxyd in die Atmosphäre. Böden verlieren die Fähigkeit zur Speicherung  des Kohlenstoffes. Schonende Bewirtschaftungsformen wie eingeschränktes Pflügen, Erosionsschutz durch Pflanzhecken, Baumreihen usw., Gründüngung oder Kompost und Dung finden nicht statt.

Verwirrt starrt unser Exoid auf die überall angebrachten banknotenartigen Fähnchen – auf den Feldern mit Spargel und den Weinbergen besonders große, an den Häusern, den Fahrzeugen, selbst an den Menschen sind diese Etiketten angebracht. Er muss sich erst verbinden mit seiner Planetenbehörde (auch eine so fortgeschrittene Zivilisation benötigt selbstverständlich eine anständige Bürokratie), um zu fragen, ob sich in den dortigen Archiven eine Erklärung für dieses unerklärliche Phänomen befindet. Nach langer Zeit spuckt einer der Quantencomputer unter deutlichem digitalen Kopfschütteln dort oben völlig vergessene Begriffe aus: Preis, Geld, Zins, Bewertung und private Aneignung aller natürlichen Vorgänge und Bestände, Kostenanalyse, BWL, Eigentumsordnung, Landraub, Globalisierung, Alternativlosigkeit …

Der Exoid ist völlig außerstande – obwohl in der dritten Mutationsstufe befindlich -, mit diesen Begriffen zu operieren. So nimmt er simultan die Obersülzer, Soester, Warburger, Magdeburger Bördenböden wahr und stellt fest, dass überall die gleichen industriellen Bewirtschaftungstechniken vorherrschen und wegen des sinkenden Humusgehaltes die natürliche Fruchtbarkeit der Äcker nachlässt, die Erträge also sinken. Der Blick weiter in den Osten gewahrt in Rumänien bunte Preisschilder für Ackerboden (Steigerung um 1817 Prozent in 10 Jahren) und im besonders fruchtbaren, schwarzen Boden der Ukraine wehen besonders große mit Dollarzeichen versehene über der gesamten Agrarstruktur.

Ganz leidenschaftslos stellt unser Exoid fest, dass über lange Zeiträume auf der Erde landwirtschaftliche Strukturen aufgebaut, zentralisiert, rationalisiert, technisiert und  Transportwege auf der ganzen Welt angelegt wurden. Es wurden Kontrollstrukturen, Lagerhäuser, Geschäfte aufgebaut. 70 % des global zur Verfügung stehenden Trinkwassers wird für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen verwendet, die unterirdischen wasserführenden Schichten werden schneller leer gepumpt, als sie sich wieder auffüllen können.

Zur Herstellung eines Burgers braucht man rund 3000 Liter Wasser. In Großbritannien wurden 2012 fünf Milliarden Burger verzehrt. Das sind 15 Billionen Liter Wasser nur für Burger. Und das allein in Großbritannien.

Das sind so detaillierte Querschnitte, die unser Exoid in Blitzesschnelle durchführt. Ihm bleibt auch nicht verborgen, dass irdische Gehirnforscher feststellten, dass 80 % der Menschen besorgniserregende Meldungen überhaupt nicht verarbeiten können.

Ordentlich – wie von seiner Planetenbehörde vorgeschrieben – stempelt er noch seinen Besuch in Raisting/ Bayern säuberlich ab und beamt sich durch das Wurmloch wieder auf seinen Planeten.

wKornkreisRaisting