Es ist inzwischen eine lieb gewonnene Tätigkeit, beim Rückzug des Winters die von unserer kleinen Naturschutzgruppe zahlreich aufgehängten Vogelnester zu inspizieren, um sie sauber für neue Bruten zu machen und auf Anzeichen zu schauen, ob in den Nestern Anzeichen vorhanden sind, dass in ihnen erfolgreich gebrütet wurde.

Im letzten Jahr haben uns die gartenschläferischen Bilche die ornithologische Ernte kräftig versaut. Desto gespannter waren wir in diesem Jahr.

Mit halsbrecherischem Leitergewerke ausgerüstet, betraten wir das große private Parkgelände. Wie in jedem Jahr bestieg der schwindelfreieste Spezialist die hohe Leiter – diesmal perfekt abgesichert durch berufsbedingt kräftige, jedoch einfühlsame Hände.

01.Leiter.w

Die ersten Nester waren enttäuschend leer. Bis auf Schlafspuren von Unterschlupf suchenden Vögeln konnten wir nichts entdecken.

03.Nest.w

In einem anderen Nest hatten sich zwei Gartenschläfer noch winterschlafend in sich verknäult, was unsere Hoffnungen dämpfte.

02.Nest.w

Wie gut, bei uns über einen ausgewiesenen Experten zu verfügen. U. Heinze konnte uns endlich ein bebrütetes Nest zeigen, in dem ein Vogelpaar wohl seine Brut zu einem lebendigen Ende führen konnte..

04.Sauer.w

Im Nest einer geglückten Brut zeigten sich charakteristische Spuren.

Der Vogelbrut wachsen Federn, die sich in Kielen entfalten. Dabei entstehen feinste weiße Schuppen, die im Nest verbleiben.

05.Schuppenw.

Nun machen wir uns Gedanken.

Um uns toben oft Vogelscharen: Amsel, Meisen, Spatzenhorden – Eulen jede Menge. Die sind anscheinend fit für das Nisten und Brüten in freier, noch verbliebener Wildbahn. Die schert unser Vogelhotelangebot recht wenig. In einem Zaunkönignest tief im Gebüsch hatte sich ein anderes Vogelpaar nieder gelassen.

Ja gut – wie lange währt auf unserem Planeten bereits die Evolution des Lebens? Seit 3,8 Milliarden Jahren. Wer sind wir mit unseren vielleicht 80 Jahren Lebensdauer, dass wir Natur so schnell beeinflussen könnten?

Weil wir wissen, dass der Homo sapiens – der weise Mensch! – überall dort, wo er im Laufe seiner Entwicklung hinkam, in relativ kurzer Zeit zum ökologischen Massenmörder wurde.

Beispiel gefällig?

Vor 45.000 Jahren verfügte Australien über eine Megafauna mit Großsäugetieren: Kängurus – 2 Meter hoch, Beutellöwen – so groß wie Tiger, Riesenkoalabären, fünf Meter lange Schlangen, Zwergnilpferde – eine halbe Tonne schwer …

Als der Mensch über die indonesische Inselbrücke Australien erreichte, starben in wenigen Jahrtausenden von 24 australischen Tierarten 23 aus. Effiziente Jagdmethoden, Brandrodung der Menschen stellten in wenigen Jahrtausenden die Evolution in Australien völlig auf den Kopf.

Die possierlichen Koalabären – sehr viel kleiner geworden – mit ihrer Vorliebe für Eukalyptusblätter überlebten, weil der Eukalyptus als wenig feueranfälliger Baum die üblichen Brandrodungen überdauern konnte.

Weil wir von diesen Zusammenhängen wissen, hängen wir trotzdem Vogelnisthilfen auf, was in unserer für agrarische Verrichtungen platt gemachten Landschaft auch notwendig ist.

Das klingt  ein wenig wie Pfeifen im dunklen Walde – aber so lange gepfiffen werden kann ….

 

Bilder: H. Wünnenberg