Wer kennt sie nicht, die tief im limbischen System verborgenen maskulinen Antriebe. Die automatisch triggern – bei der Jagdlust auf der Autobahn, im Beruf, nach Schnäppchen, auf den Radfahrer, der vor einem her fährt. Rudimente der steinzeitlichen Jäger eben.

Wie schön ist doch, wenn – in fortgeschrittenen Alter – diese Jagdgelüste mit schönen Ergebnissen kultiviert werden können.

Mit wachen Augen, kamerabewehrt, durch´s Grüne am Landgraben entlang zu streifen und dabei gut getarnte Unregelmäßigkeiten entdecken, setzt diese Jagdlust augenblicklich frei.

00.w.Pirol

Die nähere Inaugenscheinnnahme ergibt ein fast frei hängendes Nest, das eines Pirols (Oriolus oriolus), der als Baumaterial neben Bastfasern und Halmen, auch frei herum fliegende Plastikfetzen mit Speichel verklebt  ins Nestgefüge einbrachte. Ausgepolstert ist das Nest mit Federn und Wolle. Wie es sich gehört, beteiligt sich der männliche Pirol am Nestbau.

01.w.Pirol

Da brütet er also, der Kirschvogel – wie er früher für seine Kirschenvorliebe genannt wurde -, der bereits in einem hohen Wildkirschenbaum unweit der Kirche entdeckt wurde.

Diese Entdeckung – fachmännisch bestätigt durch Dr. Kaiser, unserem Mainzer Ornithologen – ist deshalb besonders erfreulich, weil der Bestand des Pirols, der Vogel des Jahres 2013, seit Jahren rückläufig ist .

Für diesen europaweiten Schwund scheint es mehrere Ursachen zu geben:

• Biotopmangel durch das Verschwinden von Obstbäumen mit hohen und alten Bäumen

• Nahrungsmangel durch ausgebrachte Insektizide

Desto erfreulicher ist nun sein Brüten am Landgraben.

04.w.Pirol

Alle Bilder: F. Sauer