Wer kennt die Vögel, nennt die Namen,

die zahlreich heut` zusammen kamen –

am Morgen in des Sonntags Frühe …

… einer: Dr. Andreas Kaiser, der Mainzer Ornithologe, der für unsere Naturschutzgruppe bereits öfter das Füllhorn seines Wissens geöffnet hat.

w01.Dr.Kaiser

An die 30 Frühaufsteher – und drei Hunde –

w02.Teilnehmer

trafen sich am Wormser Weg.

Einer der Götter des Wetters hatte gnädiger Weise die grauen Regenwolken um uns herum geleitet, was die Vogelwelt lebendiger werden ließ und uns nasse Füße ersparte. Herzlichen Dank – wem auch immer!

Was folgte, war Dr.Kaisers spannendes ornithologisches Kolleg über Techniken und Schwierigkeiten der Vogelbeobachtung, das wissenschaftliche mühsame Vorgehen beim Monitoring zu definierender Vogelhabitate und die notwendigen Fähigkeiten zur wissenschaftlichen Beobachtung der vielfältigen Vogelwelt.

Und da gab es am Wormser Weg bereits viel zu sehen und zu hören – mit den  lautstarken Nachtigallen und Amseln, den Ringeltauben und Dohlen sind die hier anwesenden Vogelfamilien noch lange nicht beschrieben.

Wohl dem, der über ein noch nicht eingeschränktes Gehör verfügte, und so in der Lage war, Dr.Kaisers schnell wechselnden Hinweisen – auch denen der anwesenden Vogelexperten im Plenum – auf die allerorten erklingenden Gesänge und Alarmrufe der Vögel zu folgen.

Den Griff zum Geldbeutel konnten wir uns sparen – der ortsansässige Kuckuck rührte und regte sich nicht.

w03.Teilnehmer_

An verschiedenen Standorten des Gebietes um die Schilfkläranlage ( küchenlateinisch: amazonum ulricus) herum, wurde den Vögeln gelauscht und eine Vielzahl von ihnen identifiziert:

Amsel, Blaumeise, Dohle, Elster, Gartengrasmücke, Sperling, Kohlmeise, Misteldrossel. Mönchsgrasmücke, Ringeltaube, Saatkrähe, Singdrossel, Star, Sumpfrohrsänger, Türken- und Turteltaube, Zilpzalp …

Allein an 7 Stellen konnten Nachtigallen geortet werden.

w04.SingvögelQuelle: Unbekannt

Unterbrochen wurde das gespannte Lauschen durch Dr.Kaisers interessante Ausführungen über die unermessliche Vielfalt der Vogelarten, ihre oft phänomenalen Fähigkeiten und ihre Flexibilität der Anpassung an Standorte, die eigentlich Leben ausschließen sollten. So hat ein ornithologisches Monitoring auf den Landebahnen des Frankfurter Flughafens ergeben, dass niedrig brütende Vögel – wie die Lerche – unmittelbar auf den Rasenstreifen neben den Flugbahnen nisten und leben, ohne sich an den ohrenbetäubenden Lärm der startenden und landenden Jets zu stören. Offensichtlich ist dort genügend Insektennahrung vorhanden.

An alle vom Menschen geschaffene – oder vernachlässigte – Verhältnisse passen sich Vögel jedoch nicht an.

Da wurde vor Jahren in einer Bürgerversammlung von damals kommunalen Verantwortlichen versprochen, das Schilf der aufgegebenen Kläranlage „bei Bedarf“ zu wässern, um das Schilf zu erhalten.  Bis heute hat sich dieser „Bedarf“ offensichtlich nicht ergeben – und so ist der Schilfbewuchs  – eigentlich ein für viele Vögel bevorzugter Nist- und Brutort – nur noch spärlich vorhanden, von der an sich ehrbaren Brennnessel dick überwuchert.

So ist dieser große Teil der Oase – wie Dr. Kaiser das gesamte Gebiet bezeichnete – für Vögel kaum nutzbar.

w05-Brennnesselfeld

Beim Begehen dieser Oase ist es immer wieder des Staunens wert, welche Lebensleistung von Ulrich Heinze in diesem dicht mit Sträuchern und Bäumen bewachsenen Areal steckt. Er hat eigenhändig in 30 Jahren – oft gegen den Widerstand der „Zuständigen“ – hunderte von Bäumen und Sträuchern gesetzt, in denen sich jetzt die vielfältige Vogelwelt tummelt.

Im Dorfgemeinschaftshaus trafen sich viele Teilnehmer noch zu Gesprächen mit Frühstück.

w06.Fruehstueck

Bilder: H. Wünnenberg