Aktion “Saubere Landschaft” in Obersülzen

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Wo werden alljährliche Rituale von einem bürgermeisterlichen Zeremonienmeister noch mit solch´ anmutiger Grandezza zelebriert wie bei der alljährlichen Aktion „Saubere Landschaft“, an der auch Mitglieder von „Bach und Baum“ teilnahmen? Nur in Obersülzen.


Das hat sich bereits bei Presse, Funk und Fernsehen herum gesprochen ( Halt! Die beiden letzten F streichen! – so weit ist es doch noch nicht.)

Ein ansehnlicher Trupp sehr junger und auch älterer Bürger hatte sich heute eingefunden, um zu helfen, die Gräben und anliegende Flur Obersülzens frühlingsbesenrein zu machen.

Über die ausgegebenen Müllsäcke wird gemunkelt, dass sie mit Obersülzer Riesling gesegnet wurden, damit eifrige Sammlerinnen, die völlig in der Landschaft zu verschwinden drohen, wieder aufgefunden werden können …

 … und dass sie durch ihre stets horizontal wehende Position auch schwer schuftenden Sammlern eine dynamische Anmutung verleihen sollen.

Das wird aber von anderen Sammlerinnen eher skeptisch beurteilt.

Wie immer fand die Müllaktion mit einem kleinen Happen im “Sülzer Tor” ihr sattes Ende.

Das zum beschaulichen Teil der Aktion „Saubere Landschaft“ – was die optische Sauberkeit anbelangt.

Weniger auffällig ist, dass mit dieser – sicher notwendigen Aktion – der inneren Sauberkeit der Landschaft noch lange nicht gedient ist.

Warum?

 
 
Dieses Fundstück aus dem Sausenheimer Graben unweit des Betonweges Reiterhof – Richtung Grünstadt sieht zwar auch nicht optisch sauber aus.Was drinnen war, geht uns alle an:
 

Die genaue Gebrauchsanweisung – gut verständlich für alle polnischen, bulgarischen oder auch ukrainischen Teilzeitlandarbeiter – enthält – im Wortsinne – reizende Informationen:

  • “Gesundheitsschädlich beim Einatmen
  • Reizt die Atmungsorgane
  • Gefahr ernster Augenschäden
  • Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern langfristig schädliche Wirkungen haben.
  • Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten.
  • Aerosol nicht einatmen
  • Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
  • Schutzbrille / Gesichtsschutz tragen.
  • Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder Etikett vorzeigen.

Und

  • Dieser Stoff und sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen.

Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt ist die Gebrauchsanweisung einzuhalten.

Leere Verpackungen dürfen nicht weiterverwendet werden. “

Da sind wir aber froh, dass wir das hier lesen dürfen.

Die Verkehrsfähigkeit dieses Mittels wurde „vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) amtlich festgestellt“.

Das sind wir nun wieder froh, dass für Mensch und Umwelt von diesem Wirkstoff – Gott sei gepriesen! – keinerlei Risiken und Nebenwirkungen ausgehen.

Was heisst das: Wirkstoff Glyphosat?

Dieser auch in Gärtnerkreisen sehr beliebte Wirkstoff ( auch enthalten in Roundup der Firma Monsanto ) steht seit einiger Zeit (1998)  im Verdacht, Missbildungen, Hormonstörungen, DNA-Schäden und Krebs zu verursachen.

Wer sich informieren will -  hier (Sendung Kontraste 2009)  und   hier (ORF, März 2012) und besonders hier (NABU-Studie).

Die EU-Kommission hat die Untersuchung der Wirkung von Glyphosat erst einmal auf 2015 verschoben, so dass erste Ergebnisse wohl 2030 vorliegen werden.

Bis dahin – wohl bekomm´s!

Saubere Landschaft – doch wie´s drinnen aussieht, geht niemanden was an.

Ein 100-Betten-Hotel ….

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… konstruiert von Friedel Sauer, produziert von der Crew des Mehrgenerationenhofes, plaziert am Landgraben unweit der längsten Pflaumenkuchentheke der Pfalz – das gibt es nur in Obersülzen.

Und nun rentiert es sich auch noch – das Insektenhotel, weil´s dort summt und brummt.

Die ersten warmen Tage bringen reges Leben mit sich.

Von den Gästen lässt sich nicht sagen, ob sie neu eintreffen oder ob sie den Winter in einem engen Appartement überstanden haben und nun von den warmen Sonnenstrahlen hervor gelockt worden sind.

 

Dieser Anblick jedenfalls erfreut das Herz eines jeden Insektenhoteliers.

Jedem, der etwas weiß über das Leben der Bienen, ist klar, dass sich in dieser Art von Behausung ein hoch differenziertes Sozialleben nicht entfalten kann. Die Räumlichkeiten wären für Honigbienen doch etwas zu eng. In ihnen findet sich z.B. kein Platz für die Möblierung von Weiselnäpfchen, in die die Königin, die mit der Eiablage etwas schwächelt, – von den Arbeiterinnen gezwungen – noch einmal Eier ablegen muss, bevor sie  – wieder von den Arbeiterinnen pausenlos durch ein Wabenjogging getrieben – an Gewicht abnimmt und so wieder flugfähig einen neuen Schwarm bilden kann.

Unsere Gäste haben´s nicht so mit der sozialen Intelligenz, sie sind kurzlebig, aber solitär.

Und als solche müssen sie auf übliche Art und Weise die erste Intimität ausüben, damit eine Weiterleben über Generationen hinweg gesichert ist.

Wenn man scharf hinschaut, lassen sich auf Wildbienenweibchen lungernde Wildbienenmännchen entdecken.Dass damit unser Insektenhotel in den Ruch eines Freudenhauses gerät, müssen wir – weil die Natur es so will – akzeptieren.

Uns und den Insekten zur Freude.

Wer sich umfassend über Wildbienen informieren will, sollte unbedingt diese Wildbienenseite anschauen – eine Fundgrube!

FOTOS: F.Sauer

Wahre Egoisten kooperieren

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An dieser Stelle haben wir uns bereits einmal mit dem Thema Bienensterben befasst und auf dieses Video hingewiesen, in dem die Wucht zu sehen ist, mit der 4 cm lange asiatische Riesenhornissen (Vespa mandarinia japonica) in Bienenstöcken ein fürchterliches Massaker anrichten.

Nun haben zumindest japanische Bienen ( Apis cerana japonica) eine Abwehrstrategie entwickelt, die gegen einzelne Riesenhornissen verblüffend effektiv ist.

Foto: WIKIMEDIA COMMONS

Hunderte von kleinen Bienen bilden blitzschnell eine Kugel und schließen die Riesenhornisse mit ihren Körpern ein. Dabei vibrieren sie mit ihrer Flugmuskulatur so, dass in der Traube die Temperatur bis auf 47 Grad steigt. Das ist die Temperatur, bei der die Hornisse stirbt – und das ist die Temperatur, die die Bienen gerade noch ertragen können: Drei bis fünf Grad mehr – und sie sind auch tot.

Die bei uns beliebte Imkerbiene (Apis mellifera lugustica) ist wohl nicht in der Lage, so ein Hitzeknäuel zu entwickeln.

Sie ist weiterhin von den 1977 mit der asiatischen Honigbiene importierten 1,6 Millimeter kleinen Varroamilben bedroht, und es ist nur zu hoffen, dass sich die Killerhornissen nicht nach Europa verirren.

Bleiben Fragen:

  • Wie lernen Bienen eine so komplexe Verteidigungsstrategie in relativ kurzer Zeit? Und das mit ihrem kleinen Gehirn, das lediglich 960.000 Nervenzellen (Neuronen) umfasst.
  • Wie formieren sie sich wie auf Kommando zu ihrer Verteidigungskugel?
  • Wie haben sie die Wirkung der passgenauen und für sie gerade noch ungefährlichen Erhitzung erfahren?
  • Wie geben sie diese Informationen an andere Bienen weiter?

Fragen über Fragen, die uns die Biene Maja mit Sicherheit nicht beantworten kann.

Und wir Menschen, wir formen uns ein Bild -  wie das von den Bienen – nach dem Vorbild unserer menschlichen Generalstandards: Das Bienenvolk wird unterteilt in Königin, Soldaten, Sklaven, Arbeiter – so schaffen wir uns unser Verständnis – und bei dem geht es wohl ohne Hierarchien nicht.

Bernd Hölldobler, der berühmte Ameisenvolk-Verhaltensforscher, kommt bei seinen lebenslangen Studien zu einem der Hauptmerkmale der Evolution, dem kooperativen Handeln zwischen den Organismen, zu dem Schluss:

„Der wahre Egoist kooperiert“.

Was hat der Paradiesvogel mit der Dohle zu tun?

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Wenn jemand eine Internetreise in Sachen Dohle, dem Vogel des Jahres, tut, dann kann er was erfahren – zumindest stösst er auf bizarre Fragestellungen zu ihrer Herkunft.

Was haben diese beiden Vögel

Paradiesvogel

Bird of Paradise (”Paradisaea minor”) by Roderick Eime. Originally uploaded as en:Image:BOP 0004-i.jpg by en:User:Rodeime.)

und Laubenvogel

Brett Donald 2005 (wikipedia)

mit unseren Dohlen gemeinsam?

Gut – der Laubenvogel hat eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Krähenvögeln – mal abgesehen von seinem seidig schillernden Gefieder – aber ansonsten ist er ein südpazifischer Schluri, ein polygamer. Er baut seiner Angebeteten eine Laube – und was für eine. Dann kümmert er sich nicht um seine Brut, baut einfach weiter Lauben. Das hatten wir schon einmal in einem früheren Blogeintrag.

Wirklich imponierend – aber was hat das mit unseren Kirchturmdohlen zu tun? Man mag es gar nicht mehr sagen, ihr Nestbau ist nun wirklich keine kunstvolle Laube.

Außerdem wird er in Wikipedia noch unter der Familie der Sperlingsfamilie eingeordnet.

Und der Paradiesvogel?  Das ist auch so einer: Betreibt Vielweiberei (Polygynie), plustert sich nicht nur bei seiner Balz nun wirklich eindrucksvoll auf, lässt seine Weiber mit ihren Jungen bei der Fütterung allein und frisst Muskatnüsse.

Auch er soll ein Sperlingsvogel sein.

Und unsere Rabenvögel? Auch sie sind als Corviden eingegliedert in die Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) – und sie sind Singvögel!

Nun ja – sie singen also. Vielleicht in einem Frequenzbereich, den unser doch so empfindliches Ohr nicht hören kann. Das ist aber wohl noch nie untersucht worden.

Wie kommt es nun, dass zwei Hauptlinien Krähenvögel und Paradies- und Laubenvögel, die ihren Ursprung in Neuguinea und Nordostaustralien haben, zu einer so unterschiedlichen sozialen Verhaltensweise kommen?

Unsere Krähenvögel – also auch die Dohle – leben doch tendenziell in festen Paarverhältnissen und kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs – ganz so, wie es unsere christlich-europäische Verhaltensdoktrin verlangt. Schließlich leben sie oft in Kirchtürmen und ahnen wohl, was das heißt. Sie erkennen sich an Gefieder und Stimme, verteidigen sich im Schwarm gegen gierige Greifvögel und putzen sich sensibel gegenseitig das Gefieder am Kopf, ohne sich jemals am Auge zu verletzen.

Die Erklärung findet sich nicht auf dem Bildschirm, sondern in einem sehr empfehlenswerten Buch, das noch öfter in Dohlenangelegenheiten zu Rate gezogen werden wird:

Joseph H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz – Was wir von Krähen lernen können.

Prof. Reichhof, Zoologe und Ornithologe, bietet als Erklärung an, dass sich mit der Verbreitung der Krähenvögel und dem damit verbundenen Nahrungswechsel, der mehr Stärke und Fette bzw. Öle, also ein erhöhtes Energieangebot, mit sich brachte, eine gemeinsame Jungenaufzucht und eine längere Paarbildung heraus bildete.

So müssen Paradies- und Laubenvogel ihre ganze Kraft, gefangen wie Casanova, in ihren aufwendigen Balzritualen einsam verströmen, während ihre weitläufigen Vettern, die Dohlen Kraft und Sicherheit auch aus ihrer Gemeinsamkeit schöpfen.

Wenn sie denn bei uns die ihnen gerechte Nahrung vorfinden.

Aber das ist ein anderes Thema.


Aufruf an die Obersülzer Vogelwelt: Kostenloser Wohnraum zu vergeben!

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Liebe Mitglieder der Obersülzer Vogelwelt!

 Träumen Sie nicht auch von einem Wohnparadies wie diesem?

Wir – die Bach und Baum-Naturschutzgruppe Obersülzen – sind in der Lage, Ihnen in herrlicher vogelgerechter  Umwelt kostenlosen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Das ist uns deshalb möglich, weil selbstlose und großzügige Naturliebhaber neben ihrem Park auch die entsprechenden Wohnungen kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

Liebe Vögel, Sie sehen: Es ist für fast jeden von Ihnen etwas dabei. Selbst die Wohnung für den kleinsten von Ihnen, den Zaunkönig, wurde nicht vergessen.

Wenn Sie die Ernsthaftigkeit unserer Bemühungen etwas näher betrachten, mögen Sie die ihnen eigene Scheu in  -wenn Sie so wollen – zwitschernde Zustimmung umwandeln.

Wir wollen nicht groß von den Mühen der sachkundigen Beschaffung Ihres Wohnraumes, der Kennzeichnung zu dokumentarischen Zwecken als Nistkastenkataster mit selbst gefertigten Schablonen sprechen.

Aber es muss doch darauf hingewiesen werden auf die Sorgfalt, mit der die Auswahl Ihrer Wohnungstüren, 26 bzw. 32 mm, also ganz auf Ihre Größen zugeschnitten, vorgenommen wurde.

 

Auch die Auswahl der Wohnplätze wurde nach fachmännischen Kriterien vorgenommen: Sowohl die Ausrichtung auf die richtige Himmelsrichtung, der Schutz vor räuberischen Katzen und Mardern als auch die richtige Nistkastenstelle und -höhe wurden nicht außer Acht gelassen.

Wir wissen nicht, ob die nachts aktiven Fledermäuse Sie aus dem Schlaf wecken oder ob deren Nachbarschaft für Sie sogar von Nutzen ist. Aber an der schwierigen Anbringung des Fledermauskastens in der hohen Weide können Sie ermessen, mit welch mühevollem und gefährlichem Engagement die Bereiter Ihrer Wohnstätten ihre Arbeit verrichteten.

Hier sitzen mindestens 150 Lebensjahre, allen Gefahren spottend, auf einer vergleichsweise jungen Weide, 8 Meter hoch – wie Zirkusartisten in der Kuppel – auf einem vertrauenswürdigen? Aste, um das schwere Biest von Fledermauskasten mit Aluminiumnägeln! an den Baum zu heften.

 

Mit 83 Lebensjahren noch so behände in schwindelnden Höhen herum zu turnen – ist so eine Leistung nicht ein vielstimmiges Vogelkonzert wert?

Zumindestens machen Sie Ihre Vettern, die Mehlschwalben, darauf aufmerksam, dass ihnen unser Artist im Schwalbenhof eine Wohnstatt mit über 200 Nestern bereitet hat und sie sich gefälligst in großer Anzahl einstellen sollen.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass die jährliche Wohnungsreinigung in unserem Angebot enthalten ist. Denn was wir für Ihre Genossen, die Dohlen im Kirchturm tun, kann Ihnen nicht verwehrt werden.

Liebe Vögel, bitte haben Sie Verständnis, dass dieses Angebot nicht für die besagten Dohlen gelten kann. Erstens haben sie im Kirchturm genügend Wohnraum und zweitens haben wir die Befürchtung, dass sie durch ihren schlampigen Nestbau Ihre guten Sitten einer kunstvollen Nestgestaltung verderben.

Wir sind nicht ohne Bewunderung für die handwerklichen Fähigkeiten und für die kluge Geschicklichkeit, mit der des Pfarrers schwarze Tauben das Material für ihre Nester herbei schaffen.

Hans Wilhelm Grömping aus Borken, der in seiner Naturschule eine schöne Seite den Dohlen gewidmet hat, hat uns erlaubt, Aufnahmen von Dohlen, die riesiges Nistmaterial transportieren

und sogar aus anderen Nestern klauen,

 

hier zu zeigen – wofür wir uns bedanken – auch in Ihrem Namen, liebe Obersülzer Vogelwelt. Denn Sie können unschwer erkennen, dass die meisten von Ihnen doch in einer anderen Nistmaterialtransportklasse spielen.

Und weil das so ist, haben wir Ihnen, liebe Mitglieder der Obersülzer Vogelwelt, kosten- und mühelosen Wohnraum in herrlicher Parklandschaft zur Verfügung gestellt.

Greifen Sie zu! Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Vogel des Jahres mit Imageproblemen

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Augen hat der Vogel, weiß mit schwarzen Pupillen, aufmerksam blickend, uns Menschen vertraut.

 Lizenz: CC-BY-SA 3.0  Warnes

Nun gut, er krächzt gar schauerlich, ist meist kein ordentlicher Nestbauer, spektakelt um unseren Obersülzer Kirchturm herum und verscheucht die sanfte Schleiereule.

Doch hat die Dohle eine Ausstrahlung, die Menschen in früheren Jahrhunderten fasziniert hat. Und deshalb ist unsere Kultur voll mit Deutungen, Sagen und Mythen rund um die Rabenvögel, zu denen die Dohle gehört.

Es kann doch sein, dass dieses aufdringlich krächzende Spektakeln, Menschen vergangener Zeiten veranlasst hat, Analogien zum eigenen Verhalten und dem anderer Menschen zu ziehen.

So schreibt schon der Göttervater unseres Literaturhimmels, Goethe, in seinem Zyklus „Zahme Xenien“ :

Sollen dich die Dohlen nicht umschrein,

Musst nicht Knopf auf dem Kirchturm sein.

Das gilt doch einem heutigen Zeitgenossen, der sein Super-300-PS-Daimler-Sportcoupe breit über zwei Parkplätze auf den Platz der Pfarrerin geparkt hat, und sich über die ätzenden weißen Kotflecken der Dohlen auf seinem schwarzen Metallic-Dach aufregt.

Nun ist bestimmt umstritten, ob die Dohlen nun sooo intelligent sind, dass sie zum hämischen Platzieren ihres Kotes in der Lage sind.

Aesop, der griechische Sklave und Fabeldichter, der etwa um 550 v. Chr. lebte, hat sich in einer seiner Fabeln so mit der Dohle identifiziert:

Ein Pfau und eine Dohle stritten sich um die Vorzüge ihrer Eigenschaften. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn.

File:Corvus_monedula_perched_Stonehenge.jpg licensed with Cc-by-sa-2.0-uk

Die Dohle gab all dieses zu und bemerkte nur, dass alle diese Schönheiten zur Hauptsache nicht taugten – zum Fliegen. Sie flog auf, und beschämt blieb der Pfau zurück.

Dass es offensichtlich auch dumme, eitle Dohlen geben muss, zeigt diese kleine Fabel:

Die Dohle im Wettbewerb der Vögel

Die Himmelsbotin Iris im purpurnen Gewand verkündet’ einst den Vögeln,  

dass im Haus der Götter es gäbe einen Schönheitswettbewerb. 

Das ward alsbald bekannt,
und jeder spürte ein Verlangen nach dem Götterpreis.

Ein Quell entsprang am scharfen, steilen Felsen;
auch sommers gab’s da klares Wasser.
Dorthin nun drängte sich das ganze Vögelvolk.

Man reinigte Gesicht und Beine,
man schüttelte die Federn, kämmte sich das Haar.

Es kam die alte Dohle auch zu jener Quelle, der Krähe Abkömmling.

Vom einen macht’ sie die, vom zweiten eine andre Feder an dem feuchten Flügel fest

und putzte sich allein von allen Vögeln auf
und flog so vor die Götter, größer als der Aar.

Den Zeus erfasste Staunen, und er hätte ihr den Preis gewährt,
wenn nicht die Schwalbe, der Athene gleich,
ihr eine Feder ausgerissen hätte und sie überführte.

Darauf die Dohle: »Warum denunzierst du mich?«

Indes, es rupft sie schon die Taube und die Drossel,
der Häher und die Krähe, die auf Gräbern tändelt,
der Falke, der dem jungen Vogelvolk auflauert,
und alle andern ebenso. Da war die Dohle überführt.

Mein Sohn, darum schmücke dich mit deinem eigenen Schmuck!
Wenn du mit fremdem glänzest, wirst du ihn verlieren.

Den Dohlen wird diese Projektion auf eine ihrer Eigenarten herzlich schnuppe sein, obwohl sie für eine Vielzahl menschlicher Projektionen herhalten müssen.

In kirchlichen alten Kreisen hatte des „Pastors schwarze Taube“ nicht immer einen guten Ruf.

Bereits Hildegard von Bingen warnte vor ihrem Verzehr, da dieser die Menschen genauso böse und verdorben mache, wie die Dohlen es nun mal seien.

Und ein Priester, Burghard von Meinigen, hatte eine sprechende zahme Dohle, die zu Hause blieb, wenn der Priester seinen weihevollen Geschäften nachging. Kam er abends zurück, erzählte die Dohle von den Umtrieben und Nachlässigkeiten seiner Diener und Mägde.

Eine petzende, der Herrschaft zugeneigte Dohle also.

Schon im alten Griechenland hatte man Wetterregeln, die mit dem Verhalten der Dohlen verbunden waren:

Sitzen Dohlen auf dem Dach und putzen ihr Gefieder, gibt es Regen.

Schreien sie am Morgen, kommt Sturm auf.

Den modernen Griechen können selbst kluge Dohlen ihre baldige Zukunft nicht voraussagen.

Fazit:

Früher gab es kein Fernsehen, auf dessen Erscheinungsbilder ohne Anstrengung eigene Gefühle, Vorurteile und Einstellungen übertragen werden konnten – dafür mussten halt auch die Dohlen oder viele Naturerscheinungen her halten.

Was zeigt, dass unsereins es mit dem Fernsehen leichter hat und sich nicht mal die Füße mit schmutziger Natur verunreinigen muss, um nach Dohlen zu suchen, die dann unseren dunklen Gefühlen als Leinwand dienen müssen.

Wer trotzdem Bedarf hat – um unseren Kirchturm spektakeln sie herum!

Alljährliches Reinemachen

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Unser kleiner Verein hat es sich zur alljährlichen Aufgabe gemacht, den Boden der Kirche von den doch recht deutlichen Spuren zu befreien, die die um den Kirchturm herum fliegende lebhafte Vogelgemeinde hinterlässt. Brauchte die Reinigungsmannschaft in den vergangenen Jahren etwas mehr an Heldenmut, um die doch sehr steile alte Treppe im Kirchturm zu überwinden, so sollte das in diesem Jahr doch ein Klacks sein, auf den Kirchenboden zu kommen. Denn die Gemeinde hat die Treppe  auch für künftige Generationen fachmännisch herrichten lassen. Trotzdem empfiehlt sich immer eine kurze innere Sammlung mit Blick auf das Kircheninnere …

  … um an der alten Orgel entlang …

… in den Turm zu gelangen, um gefeit zu sein gegen spukhafte engelsgleiche Phänomene.

Beherzt, aber maskiert, um von den intelligenten Dohlen draußen nicht wieder erkannt zu werden, geht es an´s Werk.

Denn die Dohlen haben sich der Nisteinrichtung bemächtigt. Wo früher flauschige kleine Schleiereulen in einem reinlichen Zuhause hungrig auf ihre Eltern warteten …

… haben heute die Dohlen die Schleiereulen verdrängt.

Aber das muss einmal ganz deutlich gesagt werden: Wenn die Dohle auch der Vogel des Jahres 2012 ist – sie und ihresgleichen haben bei aller Intelligenz, die man ihnen nachsagt, nicht den geringsten Sinn für Sauberkeit und eine halbwegs erträgliche Ordnung.

Nun sind Dohlen sicher intelligent – wie sollten sie sonst die langen Äste durch das enge Einflugloch clever in den Kasten bugsieren können – , auch sind sie aufmerksam und gelehrig.

Aber man muss schon ein sehr großer Optimist sein, wenn man sich durch künstlerisch ausdrucksstarke Gewandung  in der Hoffnung wiegt, Dohlen durch diesem pädagogischen Wink mit dem ästhetischen Zaunpfahl eine Ahnung von  Sauberkeit und Ordnung zu vermitteln.

Das nächste Jahr wird es weisen.

Zunächst muss aber die staubige und sperrige Hinterlassenschaft beseitigt werden.

Schönes und nützliches Neues aus der weiten Vogelwelt.

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• Wer sich wundert, dass Kolibris zur Ordnung der Seglervögel (Apodiformes) gehören, wo sie doch bei einer Flügelschlagfrequenz bis zu 50 Schläge/Sekunde fast still in der Luft stehen oder auch rück- und seitwärts wie ein Hubschrauber fliegen können, der bekommt in diesem Artikel eine kleine Aufklärung:

Scilogs (Spektrum der Wissenschaft)

• Serielle Monogamie ist bei Menschen der Ausdruck für das stete Anwachsen von Patchwork-Familien. Ein Trost dafür, dass die Welt in Teilen noch in Ordnung ist, war doch der liebevolle Blick auf die lebenslange Monogamie bei manchen Vogelarten.

Nun können wir uns das auch noch abschminken: Auch dort löst sich die Monogamie auf. Schuld soll der Klimawandel sein.

Steckt bei diesem Phänomen etwa ein neues evolutionäres Konzept dahinter?

Siehe hier:

Scilogs (Spektrum der Wissenschaft)

• Gut – die Dohle ist Vogel des Jahres. Das gibt den Obersülzer Dohlen aber noch lange nicht das Recht, das Einflugloch des eigens für Schleiereulen angebrachten Nistkastens im Kirchturm so verbarrikadieren, dass die brütende Schleiereule nicht mehr hinaus kommt und stirbt.

Bild: F. Sauer

Denn: Was Schleiereulen zu leisten vermögen, zeigt ein Projekt – initiiert von der Hans-Seidel-Stiftung im Jordantal in Jordanien. Dort werden Schleiereulen zusammen mit Turmfalken als “kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zur Verwendung von Pestiziden bzw. Rodentiziden” eingesetzt. Das hat bei den 300 an dem Projekt  beteiligen Farmern einen Anstieg des Ernteertrages um 24 % erbracht.

Man stelle sich das in Obersülzer Gefilden vor!

Bericht und Film (englisch und selbst erklärend) hier:

Scilogs (Spektrum der Wissenschaft)

Anleitung zum straflosen Fällen alter Bäume

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Nehmen wir nur mal an, Sie haben ein Grundstück, das Sie mit sorgfältig zu stutzendem englischem Rasen bepflanzen oder etwa eines, das sie intensiv gewerblich nutzen wollen.

Nehmen wir dazu an, dass an einem Rande – vielleicht im 10-Meter-Abstand – einige 30 Jahre alte Bäume stehen, die potenziell das Volumen von 40 Milliarden Streichhölzern haben.

Im Laufe eines Jahres dürften Sie ins Grübeln kommen. Denn im Herbst fallen doch einige Blätter auf ihren Rasen oder auf Ihre Intensivbeete – und was noch schwerer wiegt: Der Schatten der Streichholzbäume lässt den beschatteten Teil Ihres englischen Rasens verkümmern oder den Ertrag Ihrer Intensivbeete schrumpfen.

Ärgerlich ist das doch, wenn man auf seinem eigenen Grund und Boden Nachteile durch Gemeineigentum hat.

Für unsere versprochene Anleitung vergessen Sie sofort den Artikel 14,2 unseres Grundgesetzes „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“

Wenn Sie überhaupt nicht wissen, dass es den Artikel gibt – umso besser.

Denn schauen Sie: Unsere politische und wirtschaftliche Realität ist bereits viel weiter. Das Gemeineigentum hat inzwischen dem Eigentum zu dienen.  Also lassen wir das Gedöns mit dem Grundgesetz, wie unser alter Bundeskanzler Schröder immer so schön verlauten ließ, denn wer läuft schon immer mit dem Grundgesetz unter dem Arm herum.

Das zu Ihrer moralischen Legitimierung. Nun zur Praxis.

Zunächst sondieren Sie die Stimmung, die bei Eigentümern oder auch Pächtern herrscht, die ähnlich unter den durch Gemeineigentum verursachten Nachteilen leiden. Ein Tip dazu: Eigentümer sitzen meist in politischen Vertretungsorganen. Hier pochen Sie bei der Mehrheitsfraktion ganz entschieden auf die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde. Dieser Begriff ist gewissermaßen ein Schlüssel für die Beseitigung ungeliebter Natur.

Der Hinweis an diese Gremien, dass die Gemeindekasse mit der Veräußerung des gefällten Holzes etwas aufgebessert werden könnte, sollte hier nicht fehlen.

Damit Sie eine sachliche Grundlage für Ihre Argumentation haben, kontaktieren sie das Landschaftsinformationssystem der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz.

Lassen Sie sich nicht beunruhigen durch das Wort Naturschutz. Hier handelt es sich nur um eine Verwaltung, die letztlich doch den Streit mit Eigentümern verhindern soll.

Aus diesem Informationssystem beziehen sie den schlagkräftigen Beweis für die unerträgliche Beschattung Ihres Grundstücks.

Dieses Beispiel einer Senkrechtaufnahme aus einem ähnlich gelagerten Fall verdeutlicht diesen Schritt:

In einem dritten strategischen Schritt vergewissern Sie sich eines anerkannten Experten, denn die für Sie zuständige Kreisaufsichtsbehörde entscheidet in der Regel nach Aktenlage, weil es ihr an Personal fehlt. Das gilt es auszunutzen.

In Ihrem Fall muss der Experte natürlich ein Holzexperte sein. Was ein Holzexperte sein soll, ist ein weites Feld. Am besten ist einer, bei dem Sie ein All-inklusive-Paket erstehen können: Ein Holzfäller kann den Zustand eines Baumes am besten beurteilen – nachdem er einen gefällt hat.

Hier ein besonders gutes Bilddokument von Bäumen, die dem strengen Blick des Holzexperten nicht stand hielten.

Bei leisesten Windhauch wären diese alten Bäume in sich zusammen gefallen. Selbst auf diesem Weg, auf dem jeder Verkehr verboten ist, wäre  eine Katastrophe jederzeit möglich gewesen.

Wenn Sie entgegnen, dass so ein Experte doch in etwa zu vergleichen ist mit einem Fuchs, der als Experte für das Geflügelwesen oder mit einem Grizzly, der als Experte für Lachszucht auftritt – na und? So what!

Als gemeinnütziger Verein können wir natürlich keine Experten empfehlen, denn das würde den Wettbewerb innerhalb unserer freien Marktwirtschaft empfindlich verzerren.

Wir hoffen aber, dass wir mit diesen allgemeinen Hinweisen dienen konnten.

Was macht der Hirsch im Februar?

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Ab Februar gilt für die Hirsche eine Schonzeit bis Ende Juli. Was sie in ihrer ungefährdeten Freizeit dann so machen, hat eine Künstlerin hier in Szene gesetzt.

 

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