Wo werden alljährliche Rituale von einem bürgermeisterlichen Zeremonienmeister noch mit solch´ anmutiger Grandezza zelebriert wie bei der alljährlichen Aktion „Saubere Landschaft“, an der auch Mitglieder von „Bach und Baum“ teilnahmen? Nur in Obersülzen.
Das hat sich bereits bei Presse, Funk und Fernsehen herum gesprochen ( Halt! Die beiden letzten F streichen! – so weit ist es doch noch nicht.)
Ein ansehnlicher Trupp sehr junger und auch älterer Bürger hatte sich heute eingefunden, um zu helfen, die Gräben und anliegende Flur Obersülzens frühlingsbesenrein zu machen.
Über die ausgegebenen Müllsäcke wird gemunkelt, dass sie mit Obersülzer Riesling gesegnet wurden, damit eifrige Sammlerinnen, die völlig in der Landschaft zu verschwinden drohen, wieder aufgefunden werden können …
Das wird aber von anderen Sammlerinnen eher skeptisch beurteilt.
Wie immer fand die Müllaktion mit einem kleinen Happen im “Sülzer Tor” ihr sattes Ende.
Das zum beschaulichen Teil der Aktion „Saubere Landschaft“ – was die optische Sauberkeit anbelangt.
Weniger auffällig ist, dass mit dieser – sicher notwendigen Aktion – der inneren Sauberkeit der Landschaft noch lange nicht gedient ist.
Warum?
Die genaue Gebrauchsanweisung – gut verständlich für alle polnischen, bulgarischen oder auch ukrainischen Teilzeitlandarbeiter – enthält – im Wortsinne – reizende Informationen:
- “Gesundheitsschädlich beim Einatmen
- Reizt die Atmungsorgane
- Gefahr ernster Augenschäden
- Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern langfristig schädliche Wirkungen haben.
- Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
- Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten.
- Aerosol nicht einatmen
- Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
- Schutzbrille / Gesichtsschutz tragen.
- Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder Etikett vorzeigen.
Und
- Dieser Stoff und sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen.
Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt ist die Gebrauchsanweisung einzuhalten.
Leere Verpackungen dürfen nicht weiterverwendet werden. “
Da sind wir aber froh, dass wir das hier lesen dürfen.
Die Verkehrsfähigkeit dieses Mittels wurde „vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) amtlich festgestellt“.
Das sind wir nun wieder froh, dass für Mensch und Umwelt von diesem Wirkstoff – Gott sei gepriesen! – keinerlei Risiken und Nebenwirkungen ausgehen.
Was heisst das: Wirkstoff Glyphosat?
Dieser auch in Gärtnerkreisen sehr beliebte Wirkstoff ( auch enthalten in Roundup der Firma Monsanto ) steht seit einiger Zeit (1998) im Verdacht, Missbildungen, Hormonstörungen, DNA-Schäden und Krebs zu verursachen.
Wer sich informieren will - hier (Sendung Kontraste 2009) und hier (ORF, März 2012) und besonders hier (NABU-Studie).
Die EU-Kommission hat die Untersuchung der Wirkung von Glyphosat erst einmal auf 2015 verschoben, so dass erste Ergebnisse wohl 2030 vorliegen werden.
Bis dahin – wohl bekomm´s!
Saubere Landschaft – doch wie´s drinnen aussieht, geht niemanden was an.











































