Wer weiß nicht von den trickreichen Bemühungen mächtiger – nicht nur – kleiner Menschen, sich imposant zu präsentieren. Niemals hätte Napoleon zugelassen, dass er neben einem Pferd portraitiert wird – er musste schon drauf sitzen. Monsieur Sarkozy hat mit Signore Berlusconi die hohen Einlegesohlen in den Schuhen gemeinsam und Heinz Rühmann hätte ohne seine Kiste von der Kamera nicht aufgenommen werden können.
Die Bemühungen von reichen mächtigen Kerlen die höchsten Wolkenkratzer zu bauen, wollen wir erst gar nicht ausführlich kommentieren. Nach der fünften, sechsten Frau werden auch sie feststellen, dass sie einem klaren Wiederholungszwang folgen.
Mit ihren Verhalten stehen sie nicht allein – auch in der Vogelwelt verhalten sich Männchen ähnlich.
In der Ausgabe 07/2010 der deutschen Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC wird das sehr lesenswert am Beispiel australischer Laubenvögel dargestellt.
National Geographic über die Laubenvögel:
- Der Evolutionsbiologe Jared Diamond nannte sie einmal «die menschlichsten aller Vögel». Sie bauen Hütten, die wie Puppenhäuser aussehen. Sie arrangieren Blüten, Blätter und Pilze so kunstvoll wie ein Maler, der ein Stillleben komponiert. Außerdem sind Laubenvögel Stimmkünstler: Einige können die männlichen und weiblichen Parts der Duette einer anderen Art nachsingen. Manche ahmen einen Kookaburra nach, den Eisvogel, der auch Lachender Hans genannt wird, oder das Knattern einer Kettensäge. Tanzen können sie übrigens auch, und was „Donalds“ Käfersammlung betrifft: Er tötet die Insekten allein zum Zweck, sie als Dekor zu nutzen. So etwas tun unter allen Tierarten sonst nur noch die Menschen. -
Markus Bennemann hat ein wunderschönes Buch geschrieben: Die Evolution im Liebesrausch – Das bizarre Paarungsverhalten der Tiere (Eichborn-Verlag,) In seinem Kapitel über Liebesnester schildert er, dass die Laubenvögel in Australien und Neuguinea ihre Lauben nicht als Nester sondern als Theater konzipieren. Die Nester bauen die Weibchen eher beiläufig auf einem Baum. Der Kerl macht sich sowieso dünne – er hat seine Gene gestreut, das genügt. (Auch irgendwie bekannt.) Da gibt es in Neuguinea den Hüttengärtner (Amblyornis inornatus), der seine Laube aus dem bis zu 3 m hohen Geflecht von Baumschößlingen herstellt und von der Spitze herab ein rundes Hüttendach bis zum Boden konstruiert. Und das alles mit dem Schnabel!
(Donald Trump baut seine Wolkenkratzer mit Hilfe von Geld – der rührt selbst keinen Finger!)
Konrad Wothe hat auf seiner Seite “Moments of Natur” atemberaubende Fotografien aus aller Welt dokumentiert.
Laubenvögel-Männchen verhalten sich aber noch raffinierter beim kunstvollen Bau ihrer Laube und besonders beim Arrangement der lockenden Gegenstände vor der Laube.
Wie in SCIENCE, Bd. 225, S.335, 2012, von den Forschern Laura Kelley und John Endler von der Deakin University, Australien, berichtet wird, werden die Gegenstände vom Männchen entlang eines kleines Pfades, den das Weibchen nehmen soll, immer so penibel angeordnet, dass die kleinsten Dinge vorn und die größten hinten zu liegen kommen. So wirkt das Männchen bei der Inspektion des Nestes durch das Weibchen vor den kleinen Gegenständen größer und attraktiver.
Eine perfekte Bühnenillusion also.
Nachtrag:
In der Ausgabe von SCINEXX – Das Wissensmagazin – erschien am 20.1.2012 eine ausführliche Beschreibung des Forschungsprojektes der australischen Forscher.

