Von Dirmstein auf Obersülzen fahrend, mit Ein-Uhr-Blick auf das Heinze-Amazonien, höre ich im SWR in der Dienstag-18Uhr10-Sendung “Im Grünen” einen interessanten Bericht über Baumkronenforschung an der Uni Kaiserlautern.
Da denkt man, die Wissenschaft hat festgestellt, dass uns der Baum an sich nichts Neues mehr vorenthält. Wie immer weit gefehlt.
Kennt man sich in Bodennähe des Baumes recht gut aus, so streben ganze Gruppen von Baumforschern vom Amazonas bis in die Pfalz in die Kronen der Bäume.
So besetzt die Universität Kaiserslautern einen Forschungsstützpunkt in einem 170 jährigen Stieleichenwald im Biosphärenreservat Pfalz, um sich dem Studium der Algen, Bakterien, Flechten, Moose und Pilze zu widmen.

Da die Baumkronen an der Grenze zwischen Erde und Atmosphäre liegen, erhofft man sich Aufschlüsse über Klimaveränderungen, weil diese am ehesten dort deutlich werden.
Pionierin der Baumkronenforschung war die Amerikanerin Margaret Lohmann, die – seinerzeit als recht exotisch, um nicht zu sagen verrückt bezeichnet – nach einer Kletterausbildung in den bis 60 m schwindelerregenden Höhen der Kronendächer des Regenwaldes das Pflanzenwachstum und die Insektenwelt erforschte.
Margaret D. Lowman: Die Frau in den Bäumen. Eine Biologin erforscht das Leben in den Baumkronen. Fischer-Verlag, Frankfurt 2003 (Taschenbuch),ISBN 978-3596152766
Nach Schätzungen sollen in den Kronenregionen des Regenwaldes 40 bis 50 Prozent aller Arten leben.
Mit allen möglichen Gerätschaften, von Kränen bis zu Luftballonen, versuchen seit dieser Zeit Forscher in diesen luftigen Höhen hinter die Geheimnisse der Baumkronen und ihrer Bewohner zu kommen.
Die Forscher der Uni Kaiserlautern haben es besser: Sie besitzen einen stationären Turm, der ihnen die mühselige Kletterei erspart.
Übrigens: Ein Ausflug zum Baumwipfelpfad in Fischbach bei Dahn, der in 20 Metern Höhe 270 Meter lang über die Wipfel führt, vermittelt eine Ahnung von der Arbeit der Baumkronenforscher.
Über eine 40 m lange Baumrutsche ist man in 15 Sekunden wieder auf festem Boden und kann dort bleiben – wenn man kein Baumkronenforscher ist.



Jan 09, 2012 @ 21:22:19
Da wird man dann schon nachdenklich, wenn in Obersülzen demnächst die Pappelreihe am Sausenheimer Graben wieder um drei Pappeln verkürzt wird, von denen man nicht weiß, ob das aus Forschungsgründen notwendig ist. Die baumbewohnende Vogelwelt wird sie jedenfalls vermissen!